Ein multimedialer Geburtstag

Das renommierte Ausstellungshaus C/O Berlin, das seit 2005 im ehemaligen Postfuhramt in der Oranienburger Straße in Berlin-Mitte beheimatet ist, bot 2009 den Rahmen für eine ungewöhnliche Ausstellung. Denn die von mehr als 10 000 Menschen besuchte Schau verdankte ihre Existenz einem Buch. Wie durch den Veranstaltungsort schon deutlich sein dürfte – schließlich steht C/O Berlin vor allem für zeitgenössische Fotografie –, ging es aber nicht um eine besonders wertvolle Bibelausgabe oder ein anderes Artefakt eines vergangenen Jahrhunderts. Das Buch, das hier präsentiert wurde, war erst einen Monat zuvor erschienen. Und es hatte keine religiöse Bedeutung, sondern inszenierte ein alltägliches Thema: Haare.

Hinter all dem steckte der Geburtstag einer Marke. Schwarzkopf, Dachmarke des Henkel-Konzerns für Haarpflege-Produkte, wurde 111 – und beschenkte sich selbst mit einem Buch, das ohne den Einsatz und die Möglichkeiten des Konzerns wohl niemals entstanden wäre. Dieses Buch wurde zunächst auf einer exklusiven Veranstaltung präsentiert, anschließend wurden die Fotografien im NRW-Forum in Düsseldorf sowie bei C/O Berlin ausgestellt.

Modernes Mäzenatentum

Dies zeigt die wachsende Bedeutung des Corporate Publishing, von der ich vor einigen Monaten schon einmal berichtet habe. Es ist aber zugleich ein gutes Beispiel dafür, wie ein Jubiläumsbuch wirken kann, ohne werblich zu sein. „We love hair“ – so der Titel der Schwarzkopf-Schrift – ist nämlich nicht etwa ein Katalog oder einfach eine Darstellung der Firmenhistorie. Vielmehr beleuchtet das Buch das Thema Haar aus verschiedenen Blickwinkeln. So gibt es zum Beispiel Beiträge von Schriftstellern wie Nick Hornby und Benjamin von Stuckrad-Barre sowie Fotostrecken von Starfotografen wie Gabo, Karl Lagerfeld und Russell James.

Schwarzkopf beschränkt sich dabei auf die Rolle desjenigen, der diese künstlerischen Auseinandersetzungen ermöglicht. Man kann das – vielleicht etwas überspitzt – in der Tradition des Mäzenatentums früherer Jahrhunderte sehen. Ergebnis ist eine Win-win-Situation für die Gesellschaft als Ganze und das einzelne Unternehmen. So profitiert die Öffentlichkeit davon, dass Werke von großer Qualität und Originalität geschaffen werden – Werke, die, wie sich gezeigt hat, viele Menschen ansprechen. Die Besucher der Ausstellung bei C/O Berlin kamen ja nicht, weil Schwarzkopf Geburtstag hatte, sondern sie kamen, weil sie die künstlerischen Fotografien von Lagerfeld und anderen sehen wollten.

Die Marke als Persönlichkeit

Schwarzkopf selbst hat natürlich auch etwas von seinem Buch. Erstens lässt sich mit dem Buch, mit der großen Abendveranstaltung zu seiner Präsentation und mit den begleitenden Ausstellungen viel Aufmerksamkeit erzeugen. Zweitens wird die Marke aber auch durch die Inhalte emotional aufgeladen. Die Verknüpfung mit Menschen, Themen und Bildern verleiht ihr zusätzliche Bedeutung. Wenn Schwarzkopf ein Buch herausgibt, in dem die kulturellen Aspekte der Haarmode thematisiert werden, signalisiert das, dass es dem Unternehmen nicht nur um den Verkauf von Shampoos und Spülungen geht, dass es sich vielmehr auch für Kulturgeschichte interessiert und hierzu etwas zu sagen hat. Potentielle Kunden können also feststellen, dass sie dieses Interesse mit dem Unternehmen teilen.

Etwas Ähnliches gilt für die Kooperationspartner: Eine Kooperation mit Karl Lagerfeld macht deutlich, dass Schwarzkopf dessen Arbeit schätzt und gerne mit ihm zusammenarbeitet. Hinzu kommt, dass auch Lagerfeld die Zusammenarbeit mit Schwarzkopf zu schätzen scheint. Als Leser des Buches oder Besucher der Ausstellung nehmen wir die Wertschätzung des Mode-Zaren gegenüber der Marke wahr – und so wie wir den Freunden unserer Freunde einen Vertrauensvorschuss entgegenbringen, „erbt“ Schwarzkopf durch die Kooperation einen Teil unserer Einstellung gegenüber Lagerfeld. Eine Veröffentlichung zeigt drittens aber auch, dass ein Unternehmen überhaupt in der Lage ist, eine solche Realität werden zu lassen. Die Qualität der Veröffentlichung ist dabei ein Indikator für die Qualität der Unternehmensleistung im Kerngeschäft. Und viertens schließlich schätzt die Öffentlichkeit den mäzenatischen Aspekt einer nicht vorrangig werblichen Veröffentlichung. Bei Büchern verbindet sich dies noch zusätzlich mit dem kulturellen Nimbus, den das Medium genießt. Gerade im Buch wird deshalb wenig Werbliches erwartet – was Unternehmen eine besondere Chance bietet, sich in der beschriebenen Weise über Themen zu profilieren.

Ein Jubiläumsbuch wirkt indirekt – indem es die „Persönlichkeit“ einer Marke stärkt. Deshalb ist es wichtig, die Themen eines solchen Buches bewusst auszuwählen. Sie müssen allgemein genug sein, um den Eindruck des Werblichen auszuschließen – und dem Unternehmen zugleich hinreichend naheliegen, dass es einen Transfer von Emotionen und Kompetenzen auf die Marke geben kann. Die Konzeption eines guten Corporate Books ist deshalb eine Kunst.

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Der 23. April 2012 sollte ein ganz besonderer Tag werden. Seit 1995 feiert die Buchbranche, nach einer Idee der UNESCO, an diesem Datum den Welttag des Buches. Aus diesem Anlass werden in deutschen Buchhandlungen schon seit mehreren Jahren eigens verfasste Geschichten an Schüler verschenkt. „Ich schenk Dir eine Geschichte“ sollte es in diesem Jahr aber nicht nur für Kinder und Jugendliche heißen; initiiert durch ein ambitioniertes Bündnis aus Börsenverein, Verlagen und Sponsoren wurde für 2012 die Aktion „Lesefreunde“ ins Leben gerufen. 33.333 Menschen durften sich im Internet registrieren und bekamen jeweils ein Paket mit 30 Exemplaren eines zuvor aus einer Liste ausgewählten Bestsellers – zum Verschenken!

Die Idee stammt aus Großbritannien, wo bereits im letzten Jahr auf der „World Book Night“ Bücher mit umwerfendem Erfolg unter die Lesefreunde gebracht wurden. Nun waren also auch Deutschland und die USA mit einer spektakulären Aktion dabei, um das Buch wieder in die Mitte der Gesellschaft zu rücken, um gezielt Leseförderung zu betreiben und dabei auch diejenigen zu erreichen, die üblicherweise selten oder gar nicht lesen. Ein lobenswertes Ansinnen, denn die vielen Diskussionen um die Zukunft der Verlags- und Buchhandelsbranche lassen viel zu oft eines in den Hintergrund treten: Die Lust am Buch bzw. die Freude am Lesen! Beides liegt uns als Verlagsmenschen und Lesefreunde selbstverständlich am Herzen. Deshalb habe auch ich mich, wie einige der Kolleginnen und Kollegen des Frieling-Verlages, als Buchschenker registrieren lassen.

Die Registrierung lief reibungslos. Die Auswahl des richtigen Buches war dagegen schon schwieriger. Entscheide ich mich eher für ein Buch, das ich selbst für einige vergnügliche Lesestunden spontan aus dem Regal gegriffen hätte, oder eher für eines, mit dem sich auch Lesemuffel vermeintlich leicht von den Vorzügen der Literatur überzeugen lassen: Siegfried Lenz, Umberto Eco, Jane Austen, oder doch Stephenie Meyer? Lyrik, feingeistiger Roman oder Krimi, die Liste der möglichen Geschenkbücher war vielfältig und hochkarätig besetzt. (Die vollständige Liste gibt es auf der Homepage des Welttages zur Einsichtnahme.) Das beliebteste Geschenkbuch war laut Börsenblatt übrigens Daniel Kehlmanns „Die Vermessung der Welt“, gefolgt von Nele Neuhaus’ Bestseller-Krimi „Schneewittchen muss sterben“.

Hat man sich für ein Buch entschieden, stellt sich natürlich die Frage: Wie und vor allem wo bringe ich die Bücher unters Volk – per Verteiler im Kollegenkreis, persönlich überreicht an ausgewählte Freunde, Bekannte oder Verwandte, oder einfach spontan im Lieblingskaffee, in der U-Bahn oder vor dem Blumenladen an der Ecke? Aus meiner Erfahrung kann ich übrigens berichten, dass es gar nicht so leicht ist, dieser Tage unbekannte Menschen mit Geschenken zu beglücken. Auch wenn die Forderung nach kostenlosen E-Books im Internet immer wieder laut wird, wer auf offener Straße kostenlose Bücher verteilt, muss beim Beschenkten häufig zunächst eine tief empfundene Skepsis überwinden. „Nein, danke, keine Zeit“ oder ein pauschal gerauntes „Ich lese nicht!“ sind da unter den reflexartigen Ausflüchten eher die harmlosen Beispiele – eine Erfahrung die Felicitas von Lovenburg im Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Zeitung in wunderbare Worte fasst. Es gibt aber auch Situationen, in denen sich Menschen offenbar bereitwillig ein gutes Buch schenken lassen. Mein persönlicher Geheimtipp: Die Warteschlange vor der Gerhard-Richter-Ausstellung in der Berliner Neuen Nationalgalerie!

Aber auch wenn das eine oder andere Mal ein wenig Überzeugungsgeschick nötig war, gute Bücher zu verschenken, lohnt sich. Davon erzählen allein schon die Rückmeldungen von glücklich Beschenkten, die sich zum Beispiel auf der Facebook-Seite zum Welttag des Buches nachlesen lassen. Und außerdem: Lässt sich nicht auch die Skepsis so mancher Passanten verstehen als Ergebnis der immer noch hohen Wertschätzung des Mediums Buch durch die Leser. Denn das Buch und die viele Arbeit, die darin steckt, sind den Deutschen etwas wert! Und was ist dann von einem Buch zu halten, das nichts kostet …

Wie haben Sie den Welttag des Buches erlebt? Waren Sie selbst als Buchschenker unterwegs, oder wurden Sie sogar beschenkt? Glauben Sie, dass sich durch das Verschenken von Büchern neue Leser gewinnen lassen? Wenn Sie möchten, schreiben Sie mir doch, wie Sie die Aktion bewerten.

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Ein Nachbericht von der Leipziger Buchmesse 2012

Verlage und Aussteller, Bücherfreunde und Fachbesucher, Autoren und Leser, Manga-Fans und Cosplayer und nicht zuletzt die Veranstalter zeigten sich hoch zufrieden mit dem Verlauf der Leipziger Buchmesse vom 14. bis 17. März 2012. Nicht nur die frühlingshaften Temperaturen und der herrliche Sonnenschein, die die große Glashalle in einen Bücherpalast verwandelten, sorgten für gute Stimmung auf dem europaweit größten Lesefest. Mit 163 500 Besuchern wurde das sehr hohe Vorjahresniveau sogar noch einmal leicht überboten.

Wie jedes Jahr trugen während der vier Tage an vielen Veranstaltungsorten der Stadt aber auch in den Messehallen zahlreiche Autoren aus ihren Neuerscheinungen vor. Das Entdecken, Erleben und Erlesen neuer Literatur steht bereits traditionell in Leipzig im Mittelpunkt, was nicht unwesentlich zur großen Beliebtheit des Buchfestes beiträgt. In diesem Zusammenhang gab es dieses Jahr übrigens eine ganz besondere Attraktion. Denn am Freitag wurde unter der Aufsicht eines offiziellen Schiedsrichters ein neuer Weltrekord im „Staffel-Lesen“ aufgestellt. Eingeladen hatte die Online-Bibliothek Skoobe – ein Gemeinschaftsprojekt von Random House, Holtzbrinck und der Bertelsmanntochter Arvato. Der Anbieter einer neuen „App“ zum elektronischen Verleih digitaler Bücher schaffte es tatsächlich, 2012 Menschen zu versammeln, die innerhalb von viereinhalb Stunden, ohne den Lesefluss zu unterbrechen, jeweils einen Satz aus Christopher Paolinis Buch „Eragon – Das Erbe der Macht“ vorlasen – und zwar vom Display eines iPads! Damit sicherte sich das Unternehmen einen Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde und lieferte gleichzeitig einen interessanten Beitrag zur gegenwärtigen Diskussion um Lesegewohnheiten und -qualität im Zeitalter der Digitalisierung ab.

Abgesehen von diesem medienwirksamen Spektakel hatte ich persönlich den Eindruck, dass das Thema elektronisches Publizieren und Onlinecommunities in Leipzig im Vergleich zur letzten Frankfurter Buchmesse verhältnismäßig dezent verhandelt wurde. Zwar stellten sich im sog. „Digitalen Wohnzimmer“ zum zweiten Mal einige interessante Online-Literaturportale vor, das Thema war aber weit weniger präsent als noch im Oktober 2011 in Frankfurt. Einige der größeren Player fehlten ganz, andere hatten relativ sparsame Messeauftritte. Möglicherweise lag das auch an der etwas anders gearteten Schwerpunktsetzung der Leipziger Buchmesse. Während Frankfurt als internationales Branchentreffen natürlich stärker auf interne Trends und Diskurse reagiert, rückt Leipzig den Leser, bzw. die Beziehung zwischen Autor, Verlag und Leser in den Mittelpunkt.

Insofern ist die Buchmesse in der sächsischen Metropole der ideale Ort für Bücherfreunde, um miteinander in Kontakt zu treten. Die vielen Lesungsorte auf der Messe waren gut gefüllt, das Interesse des Publikums groß und die Vielfalt der Autoren unterschiedlichster Art, die man in Leipzig unmittelbar erleben konnte, wie immer beeindruckend.

Selten bieten sich in der literarischen Welt so gute Gelegenheiten, um Neuerscheinungen und die klugen Köpfe, die dahinter stecken kennenzulernen, oder um sich als (angehender) Autor nach Publikationsmöglichkeiten umzusehen. Dazu passend startete in diesem Jahr mit dem Programm „Autoren@Leipzig“ eine spezielle Plattform, die mit einem Fortbildungs- und Netzwerkangebot speziell Autoren auf dem teils unübersichtlichen Publikationsmarkt unterstützen möchte – ein spannender Schritt, vom dem sicherlich in den kommenden Jahren noch zu berichten sein wird.

Was ist nun eigentlich das Besondere an der Leipziger Buchmesse, die bei Publikum und Ausstellern gleichermaßen so hoch im Kurs steht? Nun, nach meinem diesjährigen Eindruck würde ich sagen, dass nirgends sonst im literarischen Leben Leser, Autoren und Buchbrache so unmittelbar zusammenkommen. Zu diesem Gedanken passt vielleicht auch die schöne Tatsache, dass bei der Verleihung des diesjährigen Buchpreises der Leipziger Buchmesse im Bereich Belletristik Publikums-Voting und Jury-Entscheidung übereinstimmten, was durchaus nicht selbstverständlich ist: Beide stimmten für Wolfgang Herrndorfs aktuelles Buch „Sand“, das im Rowohlt Verlag erschienen ist.

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Müssen wir uns vor elektronischen Publikationen in Acht nehmen?

Anfang des Jahres brachte die Nachricht, der Onlinehändler Amazon habe im Januar erstmals mehr E-Books als Paperbacks verkauft, einmal mehr die Buchbranche zum brodeln. Ohne Zweifel, wir befinden uns in einer Umbruchphase, einer Zeit, die mit rasanten technischen und konzeptionellen Innovationen, so manch dringende, manch bange Frage aufwirft – übrigens auch für Autoren. Welche Form des Veröffentlichens ist für ein bestimmtes Anliegen die richtige? Wie und über welche Kanäle erreiche ich die richtige Zielgruppe?

Es gibt viel zu bedenken und viel zu diskutieren in der Buchbranche. Dabei birgt der Umbruch selbstverständlich auch reichlich Spannendes für die Welt des Publizierens. Nie waren die Möglichkeiten, mit einer Botschaft an die Öffentlichkeit zu treten, vielfältiger. Insofern betrachte ich die Neigung der Branche, größtenteils mit Ablehnung oder gar mit Angst auf die entsprechenden Innovationen zu reagieren, mit einer gewissen Verwunderung. Besonders merkwürdig ist dabei der gerne postulierte Antagonismus „elektronisches vs. gedrucktes Buch“, der, angeheizt durch Pressemeldungen wie die eingangs zitierte, gerne in der Berichterstattung ausgebreitet wird. Es gibt meiner Ansicht nach keinen Grund, warum in Zukunft nicht digitale und „analoge“ Publikationsformen gleichberechtigt nebeneinander stehen und sich je nach Genre, Kommunikationsanlass und -ziel sogar sinnvoll ergänzen sollten.

Anlässlich der Berliner Lektionen befasste sich kürzlich der ausgewiesene Internetexperte und -vordenker David Gelernter mit den Auswirkungen der Digitalisierung auf Sprache und Kultur. Gelernter ist Zukunftsforscher und Inhaber eines Lehrstuhls für Computerwissenschaften an der Univerität von Yale. In Publikationen wie „Mirror Worlds“ von 1991 sah er den Aufstieg des World Wide Webs voraus und gilt als Wegbreiter des sog. Cloud Computings. Seinen Vortrag, der in gekürzter und übersetzter Fassung vom Tagesspiegel veröffentlicht wurde, halte ich für sehr lesenswert.

Gelernter befürchtet u. a., das Internet sei inzwischen zu einer „Bedrohung für die Integrität der Sprache geworden.“ Unsere Gesellschaft neige dazu, alles Geschriebene in die Cybershäre zu verschieben. Briefe, Unterhaltungen, Termine, Journalismus, Bücher – alles werde elektronisch publiziert und erzeuge eine Flut an Informationen, die den Menschen schlichtweg überfordere. Infolge der digitalen Revolution werde immer mehr und immer schneller geschrieben, was dazu führe, dass auch schnell und nicht mehr allzu sorgfältig gelesen werde.

An Gelernters Argumentation finde ich vor allem zwei Dinge bemerkenswert. Zum einen zeigt sich, dass hier selbst ein sog. „heavy user“ des Internets Bedenken anmeldet, angesichts der Entwicklung, die unsere Medien- und Kulturlandschaft gegenwärtig erfährt. Finden sich keine geeigneten Steuerungsmechanismen, so befürchtet der amerikanische Forscher einen „Niedergang des Schreibens und Verlegens“ und damit eine existenzielle Bedrohung der Sprache an sich. Deshalb hält er in seinem Vortrag ein Plädoyer für langsameres Denken und Publizieren. Das Tempo zu drosseln und sich bewusst zu gründlichem Schreiben und Lesen zu bekennen, sei der beste Weg, um dieser Bedrohung zu begegnen. Für die Manifestation dieses Bekenntnisses und damit für „das beste Design der westlichen Geschichte“ hält der Internetpionier ausgerechnet das gedruckte Buch, das in seiner Haptik, in seiner Haltbarkeit, kurz in seiner Materialität ein unverzichtbares Kulturgut sei. Natürlich schmeicheln solche Aussagen der Buchmacherseele. Viele der Werte, die in dem Artikel mit dem Buch in Verbindung gebracht werden, halte auch ich für gut und wichtig.

„Das physische Buch fügt dem geschriebenen Wort Gewicht, Substanz und Würde hinzu.“ Dem kann ich mich nur anschließen. Dennoch erstaunt es mich, und damit komme ich zum zweiten Punkt, dass ausgerechnet so ein verdienter Zukunftsforscher beim Thema E-Book in seinen Überlegungen so weit hinter dem Potential des Mediums zurückbleibt. Ich teile nicht Gelernters Befürchtung, dass E-Books in absehbarer Zukunft das gedruckte Buch ersetzen werden. Weder der geringere Preis noch der leichte Transport großer Datenmengen, beispielsweise auf Urlaubsreisen, wird so sehr ins Gewicht fallen, dass Leser dauerhaft und im großen Stile auf die Vorteile physischer Bücher verzichten werden. Eine aktuelle Umfrage in den USA hat im Übrigen ergeben, dass zwar die Zahl der Besitzer eines elektronischen Lesegerätes weiter zugenommen hat, gleichzeitig aber auch der Anteil der erklärten E-Reader-Verzichter gestiegen ist.

Ich bin der Meinung, dass auch in Zukunft Texte in gedruckter, gebundener und ästhetisch aufbereiteter Form geschätzt und gekauft werden. Daneben werden sich aber auch elektronische Publikationsformen etablieren. Dieser Markt ist zu spannend und bietet zu viele neue Möglichkeiten, als dass man sich ihm verweigern könnte. Lesen Sie dazu zum Beispiel meinen Artikel über die Arbeit des „institute for the future of the book“ oder den wunderbaren Gastbeitrag Michael Schikowskis auf börsenblatt.de. Letztlich geht es doch darum, für jedes Publikationsziel die geeignete -form zu finden. Hier gelten für Lehrbücher sicherlich andere Rahmenbedingungen, als für den Abenteuerroman oder einen Reiseführer. Zum gegenwärtigen Zeitpunkt einen Antagonismus zwischen elektronischem und gedrucktem Buch zu konstruieren, wird für die Suche nach dem jeweils idealen Veröffentlichungsmodell sicherlich nicht zweckdienlich sein. Eine Gefahr für das Kulturgut Buch ist m. E. längst nicht in Sicht, höchstens eine Gefahr für unbewegliche Vorstellungen und starre Strukturen. Davon aber können wir uns zuversichtlich verabschieden, wenn wir flexibel und neugierig bleiben.

Außerdem, so ließe sich mit Schikowski argumentieren, kennen wir im Grunde noch gar nicht den eigentlichen Gegenstand der Diskussion. Denn das E-Book als eigenständige Publikationsform, als eine, die die Möglichkeiten des Mediums ausschöpft und nicht bloß digitalisiertes Surrogat der Druckversion ist, ist noch gar nicht gefunden. Derzeit wird allerdings fieberhaft genau daran gearbeitet. Ein erstes Zwischenergebnis stellt für Schikowski der bei Bastei Entertainment erscheinende digitale Serienroman „Apocalypsis“ dar. Wer mag, kann sich hier eine erste Idee davon verschaffen, was digitale Bücher in Zukunft leisten könnten. Eine weitere, sehr gute Möglichkeit, um ein offenes Ohr für spannnede Innovationen auf dem Publikationsmarkt zu bewahren, stellt selbstverständlich die Leipziger Buchmesse dar, die noch diese Woche ihre Pforten öffnet.

Ich meine, für Büchermacher sowie für alle an Sprache und Büchern Interessierte gilt es, sich die Neugier an den Möglichkeiten, alten wie neuen, zu bewahren und auf dieser Grundlage, für jedes Publikationsziel nach der idealen Umsetzungsmöglichkeit zu suchen. In diesem Sinne wünsche ich allen Lesern (und allen Schreibenden) eine spannende, interessante und vor allem inspirierende Buchmesse.

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Bei allem theoretischen Nachdenken über Wesen, Alltag und Beweggründe des Autors sollte eines nicht vergessen werden: Der Wandel der Zeit, dem sowohl das (Selbst-) Verständnis des Autoren wie auch das Schreiben an sich unterworfen ist. In dieser Hinsicht möchte ich noch einen kurzen Nachtrag zu den Überlegungen des letzten Beitrags liefern.

Derzeit findet auf Initiative des Vereins Fun-For-Writing e. V. unter dem Titel „Federleicht“ ein offener Schreibwettbewerb statt, an dem jeder teilnehmen kann – und soll. Die Schirmherrschaft übernimmt der Regierende Bürgermeister von Berlin Klaus Wowereit höchstpersönlich. Das Besondere: Der Wettbewerb möchte unter dem Wahlspruch „Das Wichtigste ist der Spaß am Schreiben“ mit einem integrativen Ansatz zeigen, dass Schreiben eine enorm vielschichtige Kulturtechnik ist, zu der alle Menschen befähigt sind, bzw. die wir alle im Grunde fortwährend, teils unbewusst, ausüben. Konsequent nimmt der Wettbewerb ausdrücklich auch Schriftformen mit in den Fokus, die zunächst oft übersehen werden, beschäftigt man sich mit Sprache, Schrift und Literatur. So werden nicht nur Kurzgeschichten, Märchen und Romane prämiert, sondern auch Schriftformen wie SMS, Liedtexte und Briefe. Der Schreibwettbewerb richtet sich zudem ausdrücklich nicht nur an deutsche Staatsbürger, sondern an alle, die sich gerne mit der deutschen Sprache beschäftigen. Einsendeschluss ist der 30. April 2012. Aus den Einsendungen wählt eine prominent besetzte Jury (u. a. mit dem Schriftsteller Wladimir Kaminer, dem Kolumnisten Harald Martenstein, aber auch mit Dr. Motte, dem Gründer der Loveparade) die Sieger aus, welchen eine Reihe von Sach- und Geldpreisen winkt. Die feierliche Verleihung findet Anfang 2013 in der Neuköllner Oper statt, die zu den Sponsoren der Aktion gehört. Nähere Informationen finden sich auf der Website des Schreibwettbewerbs Federleicht.

Das Beispiel dieses Schreibwettbewerbs ist nicht nur deshalb interessant, weil es als ambitionierte und lobenswerte Aktion die Leidenschaft am Schreiben und den produktiven Umgang mit Literatur fördert, sondern weil es die Aufmerksamkeit auf einen Aspekt lenkt, der bei aller Konzentration auf die zukunftsweisende Trends und technische Innovationen gerne zu kurz kommt: Literatur fängt bei den Menschen an. Deren Schreibgewohnheiten, deren Zugang zur Schrift bzw. veränderte Rahmenbedingungen in deren Leben wirken sich ebenso auf die Zukunft des Publizierens aus, wie strategische Überlegungen des Verlagswesens oder drucktechnische Innovationen. Wenn sich alltägliches Schreiben (per SMS, per E-Mail, auf Blogs und in Social Media Anwendungen) in zunehmenden Maße digital abspielt, warum sollte dieses Phänomen dann nicht auch Auswirkungen auf unser Verständnis von Literatur mit sich bringen? Mit anderen Worten, können wir so tun, als ob alltägliches und literarisches Schreiben Sphären ohne gegenseitige Berührungspunkte darstellen? Oder müssen sich gegenwärtige Schreibtechniken nicht zwangsläufig auch in der Literatur unserer Zeit widerspiegeln? Und schließlich: Wer an einem repräsentativen Querschnitt durch die gegenwärtige deutsche Literatur interessiert ist, der sollte nicht allein auf renomierte Literaturpreisverleihungen schauen, sondern ebenso innovative Wettbewerbe wie den hier vorgestellten im Auge behalten.

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Was ist ein Autor? Wo kommt er her und wo will er hin?

Nur sehr oberflächlich betrachtet, sind dies einfache Fragen. Wer das nicht glaubt, der kann z. B. bei Foucault, bei Roland Barthes, bei Heidegger und Benjamin – oder als Einstieg auch auf Wikipedia seitenweise Theoretisches zum Thema lesen. An dieser Stelle möchte ich mich solchen Fragen aber lieber von einer eher praktischen Seite nähern.

Schreiben ist in unserer Gesellschaft unbestreitbar eine äußerst angesehene Tätigkeit. Wer schreibt, dem traut man tief gehende Gedanken zu, der muss etwas zu sagen haben. Autoren sind geistvolle Zeitgenossen, die obendrein auch einen abenteuerlichen Lebenswandel zu genießen wissen. Die entschlossene Hingabe an das Reich von Schönheit und Genuss, die Freunden geistiger Höhenflüge und eine Ahnung von grenzenloser Freiheit – das Leben als Autor, da ist sich der Volksmund sicher, ist jedenfalls viel spannender als der tägliche Gang in die Werkstatt oder ins Büro. Aber ist dem wirklich so? Die Schriftstellerei als Traumberuf? Um sie ranken sich viele romantische Vorstellungen. Die kulissenbetonten Primetime-Fernsehfilme sind voll von den entsprechenden Stereotypen.

Wie aber sieht der Beruf des Autors tatsächlich aus?

Wie sehen Schriftsteller selbst ihren Beruf? Begibt man sich auf die Suche nach Äußerungen von Autoren, sieht das Bild bald viel weniger rosig aus. Friedrich Dürrenmatt etwa findet, als Beruf sei „die Schriftstellerei eine ungemütliche Sache.“ Der Schriftsteller sei zwar frei, müsse aber um diese Freiheit kämpfen, und zwar auf einer wirtschaftlichen Ebene. Wer aber gezwungen sei, beim Schreiben mit einem Auge auf mögliche Absatzzahlen zu schielen, der büße einen gewissen Teil an Freiheit ein. Daniel Kehlmann, der Autor des Bestellers „Die Vermessung der Welt“, bezeichnet seinen eigenen Beruf als seltsam, sogar ein „wenig lächerlich für einen erwachsenen Menschen.“ Sich Geschichten auszudenken, die nie passiert seien, werde von seiner Umwelt häufig nicht als ernst zu nehmende Beschäftigung akzeptiert. Der Schriftsteller als Geschichtenerfinder, als realitätsfliehender Fantast, als Gaukler und Trugbildhauer? Und dann ist da noch Thomas Mann, für den der Schriftsteller ein Mann ist, „dem das Schreiben schwerer fällt als allen anderen Leuten.“

Man könnte also zusammenfassen: Die Schriftstellerei sei, im Gegensatz zu dem weit verbreiteten Klischee, eine schwierige, eine anstrengende Sache. Wolle man als Autor ein Auskommen haben, so sei man nicht nur gezwungen, eigenes ästhetisches Empfinden und künstlerische Freiheit in gewisser Weise wirtschaftlichen Aspekten zu unterwerfen, man komme (vor allem dann, wenn der pekuniäre Ertrag unterhalb der Bestseller-Liga bleibt) zudem in Erklärungsnöte.

Warum, so ließe sich folgernd fragen, entscheiden sich dennoch viele Menschen dafür, ihre Zeit dem Schreiben zu widmen?

Nun, dazu muss zunächst darauf hingewiesen werden, dass die hier vorgestellten Autorenbilder natürlich ganze Bereiche der Publikationswelt ganz außer Acht lassen. Dass auch im Wissenschaftsbereich, im Sachbuchbereich und in der Publizistik gedruckte Texte essentiell sind für Informationsvermittlung und -bewahrung, soll hier nicht thematisiert werden. Dieser Beitrag beschäftigt sich stattdessen in der Hauptsache mit Aspekten der Belletristik. Und selbst hier gilt es genauer hinzusehen. Denn die Gründe, warum sich Menschen dem Schreiben widmen, sind weit vielfältiger, als es bisher anklingen konnte.

Man sollte sich vor Augen halten, dass tatsächlich nur ein geringer Prozentsatz der Autoren vom Schreiben leben kann. Sicher wird niemand ein ansehnliches Autorenhonorar ablehnen. Dennoch sind nicht immer finanzielle Interessen Anlass oder Auslöser des Schreibens. Die primäre Motivation sieht im Grunde häufig anders aus. Manchen Autoren geht es darum, sich mit ihrem Anliegen Gehör zu verschaffen, andere wollen Ihre Erinnerungen und Erlebnisse für kommende Generationen als Zeitzeugnis bewahren oder ihre Erfahrungen mit anderen teilen. Das Schreiben als Weg, am gesellschaftlichen Diskurs teilzuhaben, an der Meinungsbildung und an einer glücklichen Zukunft mitzuwirken, oder Erlebtes und Durchlittenes aufzuarbeiten – vielen Menschen ist es sowohl inneres Bedürfnis als auch Befriedigung, ihre Gedanken zu Papier zu bringen.

Schließlich darf auch der ästhetische Genuss bei der Kreation von Wortkunstwerken nicht außer Acht gelassen werden. Wer eine spannende Geschichte zu erzählen weiß, wer mit bewegtem Herzen lyrische Bilder für seine Empfindungen findet, der wird nicht fragen nach dem wirtschaftlichen Ertrag, der wird sich nicht schrecken lassen, von den Mühen der Dichtkunst und der wird sich auch nicht abbringen lassen, vom gelegentlichen Unverständnis seiner Mitwelt. „Schriftsteller, das ist nicht nur ein Beruf, sondern die Entscheidung, die Welt als Sprache zu sehen“, sagt der Lyriker und Hörspielautor Günther Eich und bringt damit auf den Punkt, was viele, die sich mit Leidenschaft dem Schreiben widmen, unterzeichnen würden: Die Beschäftigung mit Literatur kann Ausdruck eines Blickwinkels, eines ganz eigenen Zugangs zu und Umgangs mit unserer Umwelt sein. Schreibend erfahren wir die Welt, selbst jene Bereiche, die uns durch vielerlei Beschränkungen im täglichen Alltag verschlossen blieben. In den Worten des Nobelpreisträgers Mario Vargas Llosa: „Die wichtigste Eigenschaft der literarischen Berufung ist vielleicht, daß derjenige, der sie spürt, in der Ausübung seine schönste Belohnung sieht. Diese Belohnung ist viel befriedigender, als es je die Früchte des Erfolgs sein könnten.“

Die Beweggründe für das Schreiben sind so vielfältig wie die Biographien der Autoren.

Viele Autoren erfahren ihre Tätigkeit als tiefe Befriedigung lange bevor die Mühsamkeiten des Schriftstelleralltags zum Tragen kommen und finanzielle Aspekte eine Rolle spielen. Das Schreiben ist Ihnen ein Mittel zur Selbstverwirklichung und eine Erfüllung, für die sie bereit sind, vieles auf sich zu nehmen. In diesem Sinne ist meiner Ansicht nach der Beruf oder besser die Berufung des Autors eine höchst respektable, eine ehrenwerte, eine wahrhaft faszinierende Sache.

Wie geht es Ihnen? Warum schreiben Sie? Finden Sie sich in den hier vorgestellten Autorenbildern wieder, oder haben Sie noch ganz andere, eigene Beweggründe dafür, sich dem Schreiben zu widmen?

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Lesen und lesen lassen

February 10, 2012

Nachgedacht und mitgemacht, die Zukunft des Buches

Wie sehen Bücher in Zukunft aus? So fragte der Börsenverein des Buchhandels unlängst in einem Schülerwettbewerb. Das Börsenblatt weiß von inzwischen mehr als 500 eingegangenen kreativen Ideen zu berichten, aus denen noch im Februar eine Jury die Gewinner wählt. Bilder, Skulpturen, Filmbeiträge und „der Buchträumer“, ein futuristischer Ansaugstutzen, den man vor dem Schlafen an die Schläfe setzt, um nachts eine Geschichte per Traum zu erleben – die schiere Vielfalt der Zukunftsvisionen ist beeindruckend. Das gilt für die hier angesprochenen Schüler ebenso wie für ausgemachte Branchenexperten. Aber wie auch immer das Buch der Zukunft im Detail aussehen mag, es besteht doch ein Konsens darin, dass Geschichten und das Lesen auch in Zukunft eine zentrale Rolle im Leben der Menschen spielen werden. Diese einfache Wahrheit übersieht man leicht bei all der Zukunftssorge und bei aller Konzeptsuche, mit der die Buchbranche gegenwärtig beschäftigt ist.

Das Buch liegt den Deutschen am Herzen und wird dies nach aktuellen Prognosen sehr wahrscheinlich auch in Zukunft tun. Dennoch bleiben wir als Buchbegeisterte immer dazu aufgerufen, Lesemuffel zu überzeugen und das Kulturgut Buch und dessen Wertschätzung in der Bevölkerung zu verbreiten. Letzten Endes kommt es doch darauf an, nicht nur ängstlich auf die Statistiken zu blicken, sondern aktiv zu werden und die Stärken des Buches zu nutzen. Wer mit Begeisterung dabei ist, der wird auch andere überzeugen.

Anlässlich des Welttages des Buches (dem 23. April 2012) hat sich ein Bündnis aus Verlagen, dem Börsenverein, der Stiftung Lesen und Sponsoren eine besondere Aktion ausgedacht: Lesefreunde können sich auf einer Internetseite eintragen und damit zum Buchschenker werden. Wer sich registriert, wählt aus einer hochkarätig besetzten Liste von Büchern kostenlos eines aus, das er oder sie an andere Menschen verschenken möchte. Ziel ist es, gerade diejenigen Menschen zu beschenken, die bisher eher selten oder gar nicht lesen. Die registrierten Buchschenker erhalten von dem ausgewählten Titel jeweils 30 kostenlose Exemplare zum Verschenken. Bisher sind etwa 25.300 von 33.333 möglichen Buchschenkern registriert. Die Anmeldung zur Aktion ist noch bis zum 20. Februar 2012 möglich. Schenken auch Sie Lesefreude und tragen Sie dazu bei, Menschen für Bücher zu begeistern!

Abschließend möchte ich Ihnen ohne große Erklärung noch ein Netzfundstück präsentieren. Sehen Sie sich das Video nach Möglichkeit bis zum Ende an und lassen Sie sich überraschen. Das Ende des Publizierens ist noch lange nicht gekommen.

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Sicherlich haben auch Sie einen Lieblingsbuchladen – einen Ort, der zum Stöbern einlädt, an dem man sich wohlfühlt, sich gut beraten fühlt, einen Ort, der unerschütterlich mit der Erinnerung an inzwischen lieb gewonnenen Lesestoff verknüpft ist. Die Üppigkeit gefüllter Regale, der Geruch nach frisch bedrucktem Papier, aufgeschnappte Gesprächsfetzen anderer Besucher und Empfehlungen des kompetenten Personals – Buchhandlungen sind Horte wertvoller Buchschätze und ideale Ausgangspunkte für Entdeckungsreisen in die Welt der Worte.

Man kann den Buchhandel allerdings auch ein wenig anders sehen. Denn aus Autorensicht bekommt das hier beschriebene Idyll bisweilen eine gewisse Ambivalenz, vor allem dann nämlich, wenn das eigene Buch nicht in den Regalen zu finden ist. Wer selbst schon ein Buch publiziert hat, der weiß, wie schwer es ist, dieses in der Auslage der Händler unterzubringen.

Man sollte sich vor Augen führen, dass allein in Deutschland mehr Bücher auf dem Markt sind, als je ein Händler lagern könnte. Deshalb ist es wenig verwunderlich, dass der Platz in den Buchregalen hart umkämpft ist. Branchen-Riesen wie Thalia und Hugendubel lassen sich die exklusiven Präsentationsflächen in ihren Filialen teuer bezahlen. Dabei fließen Summen, die sich kleine Verlage, geschweige denn Autoren, in der Regel nicht leisten können. Letztere sind also umso mehr darauf angewiesen, gute Beziehungen zu den vielen kleineren Spezialbuchhandlungen zu unterhalten. Es lohnt sich in jedem Fall darüber nachzudenken, was man dort als Autor für den Verkauf seiner Bücher tun kann, und was man besser lassen sollte.

Der Flirt mit dem Buchhändler mag ein mühsames Geschäft sein, wer aber Einfühlungsvermögen, Fantasie und Geduld mitbringt, hat in Spezialbuchhandlungen durchaus Chancen, sein Buch in die Auslage zu bekommen. Die Autorin M. J. Rose hat auf dem Online-Fachjournal Publishing Perspektives Erfahrungsberichte und Tipps von Branchenexperten zusammengetragen, die beschreiben, wie sich Händler sanft, aber wirkungsvoll umgarnen lassen: Machen Sie sich und Ihr Werk bekannt, bemustern Sie Ihren Lieblingsladen mit einem kostenlosen Leseexemplar, bauen Sie eine persönliche Beziehung auf und bieten Sie an, eine Lesung im Laden zu veranstalten. Es gibt viele Wege, um einem Buchhändler die Aufnahme Ihres Titels schmackhaft zu machen. Achten Sie bei der Wahl Ihrer Mittel aber stets darauf, charmant, dezent und nicht zu offensiv vorzugehen. Sie sollten es beispielsweise vermeiden, den Buchhändler zu fragen, warum er gerade Ihr Buch nicht auf Lager habe. Halten Sie sich im Gedächtnis: Gerade spezialisierte Buchhändler lieben es nicht, sich bei der Wahl ihres Programms genötigt zu fühlen. In Roses Artikel findet sich eine amüsante Auswahl an Ideen und Anregungen, die sich vielleicht auch als Inspirationsquelle für ein paar gute Vorsätze für das gerade begonnene Jahr eignen.

Lassen Sie sich inspirieren, wenn Sie möchten. In jedem Fall wünsche ich Ihnen ein erfolgreiches und Glück bringendes Jahr.

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Veröffentlichungen in der fokussierten Kommunikation

Wer über das Publizieren nachdenkt, der hat häufig in erster Linie das Beziehungsgeflecht zwischen Autoren und Verlagen, Buchhändlern und Lesern im Kopf. Tatsächlich ist das längst noch nicht die ganze Wahrheit. Denn nicht nur Roman- und Sachbuch-Autoren suchen den Weg zum Leser. Auch viele staatliche und privatwirtschaftliche Institutionen veröffentlichen Texte und Informationen. Viele Unternehmen sind durch so genannte Publikationspflichten sogar gesetzlich dazu angehalten.

Aber auch unabhängig davon müssen Unternehmen am Markt fortwährend mit anderen interagieren. Sie müssen immer wieder qualifizierte Menschen als Mitarbeiter gewinnen und ihnen ein angenehmes Arbeitsklima bieten, um Abwerbungen zu vermeiden. Sie brauchen gute und günstige Lieferanten. Und nicht zuletzt müssen sie Kunden von ihren Leistungen überzeugen. Im Kern lautet das Ziel, stabile Beziehungen aufzubauen und zu pflegen – und damit geht es letztlich um Kommunikation.

Jedes Unternehmen hat also ein essentielles Bedürfnis nach Kommunikation. Dieses Bedürfnis ist die Grundlage für das stark wachsende Geschäftsfeld des Corporate Publishing. Seit 2003 verzeichnet der Branchenverband „Forum Corporate Publishing“ zweistellige prozentuale Umsatzzuwächse bei seinen Mitgliedern. Mittlerweile produzieren die FCP-Mitglieder Veröffentlichungen mit einer Gesamtauflage von ungefähr 900 Millionen Exemplaren jährlich. Auch die Krisen der letzten Jahre haben diesen Wachstumstrend nicht gebremst.

Typische Beispiele für CP-Medien sind Kunden- und Mitarbeiterzeitschriften. Diese informieren, wenn sie gut gemacht sind, über Entwicklungen im Unternehmen, aber auch über das Unternehmensumfeld, sie stellen das Unternehmen und seine Produkte in einen Kontext und bieten den Lesern einen echten Mehrwert. Diese Betonung des Lesernutzens sowie ihre journalistische Qualität unterscheidet CP-Medien auch von Werbung – Ziel ist nicht etwa die direkte Animation zu einem Kauf, sondern die positive Gestaltung der Beziehung.

Langfristig muss sich die Investition des kommunizierenden Unternehmens natürlich auszahlen. Corporate Publishing geht aber von der Überzeugung aus, dass die unterschiedlichen Zielgruppen nicht reduziert auf ihre jeweilige Funktion für das Unternehmen angesprochen werden wollen, etwa ausschließlich in Bezug auf die Kaufentscheidung. Mit diesem Anspruch, die komplexen Interessen und Profile der Angesprochenen zu berücksichtigen und sie als Partner mit eigenen Erwartungen ernst zu nehmen, ähnelt das Corporate Publishing in Hinsicht auf die beabsichtigte Wirkung eher der PR als der klassischen Werbung.

Es ist daher wenig verwunderlich, dass im CP-Bereich neben Zeitschriften, die es mittlerweile in unzähligen Varianten gibt, auch Bücher eine zunehmend wichtige Rolle spielen. Gewissermaßen als Königsklasse der gedruckten Texte stehen Bücher für überdauernde Wertigkeit, Seriosität und Verlässlichkeit. Gerade für besondere Ereignisse wie Firmenjubiläen, aber auch zur Darstellung der „Persönlichkeit“ eines Unternehmens sind sie hervorragend geeignet. Nicht zuletzt lassen sie sich als Geschenk überreichen, das von der Wertschätzung für den Beschenkten zeugt.

Auch im Corporate Publishing spielen darüber hinaus die neuen medialen Möglichkeiten von E-Books und Apps, von Internet und Mobilfunk eine große Rolle. Gerade hier, in der Kommunikation der Unternehmen entstehen ständig neue Lösungen, weil es einen besonderen Imagegewinn verspricht, sich durch innovative Ideen hervorzutun. Wie generell in der bunten neuen Kommunikationswelt besteht die Herausforderung darin, die unterschiedlichen Kommunikationskanäle sinnvoll zu kombinieren.

Es lohnt sich also, auch diesen Bereich im Auge zu behalten, will man ergründen, welche Modelle der Veröffentlichung zur Zeit entstehen, wie unsere zukünftigen Lese- und Wahrnehmungsgewohnheiten geformt werden und letztlich auch, was sich durch Veröffentlichungen bewirken lässt.

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Digitale Medien wie das E-Book bereiten dem Buch bezüglich Aktualität, Funktionsvielfalt und Transportfähigkeit starke Konkurrenz. Und trotzdem ist die Liebe zum Gedruckten bei vielen Menschen aus gutem Grunde ungebrochen.

Das Buch lebt!

Gedruckte Bücher begleiten uns durchs ganze Leben. Sie sind Unterhaltungs- und Informationsquelle, bieten Abenteuer und Zur-Ruhe-Kommen, bringen uns zum Lachen, zum Weinen oder zum Stirnrunzeln. Bücher helfen uns, die Welt zu erschließen. In Büchern ist nichts unmöglich: Mit ihnen lernen wir die Vergangenheit und Spekulationen über die Zukunft kennen, reisen in fremde Länder und fantastische Welten, erweitern unseren intellektuellen und praktischen Horizont.

Warum haben wir Bücher eigentlich so gern?

Bücher entsprechen der kognitiven Beschaffenheit und den emotionalen Bedürfnissen von Menschen. Ein wichtiger Aspekt ist dabei sicher ihre Materialität. Die Materialität macht das Buch automatisch zu einem Gegenüber, seine Haptik, aber auch sein Geruch, das Geräusch des Blätterns verleihen ihm Sinnlichkeit; das Öffnen eines Buches gleicht einer Verheißung. Unterstützt wird dies durch seine nicht alltägliche, nicht rein funktionelle, sondern bildhafte, differenzierte und sorgsam gewählte Sprache. Wie sagte Walter Benjamin? „Bücher und Dirnen kann man ins Bett nehmen.“ Apropos Bett: Vierzig Prozent der Buchliebhaber geben an, gern im Bett zu lesen, denn hier kommt man zur Ruhe und kann sich gänzlich auf etwas Neues, auf das lockende Angebot eines Buches, einlassen. Auch dieses Sich-Einlassen, die Immersion, ist ein Grund für unsere Hinwendung zu Büchern: wir genießen das Innehalten, die Entschleunigung, das Eintreten in einen selbst bestimmten Raum.

Ein Thema wird gleichsam für uns aus der Zeit genommen, denn im Buch sind Inhalte nicht mehr veränderbar, sie werden selektiert, separiert und fokussiert. Im Gegenzug schenken wir ihm unsere ungeteilte Aufmerksamkeit. Bücher ermöglichen uns so den Zugang zu komplexen und Dauer beanspruchenden Inhalten. Wir können sie in ausgewählten Momenten immer wieder zu Rate ziehen und dabei auch immer wieder Neues entdecken, denn in jeder Lebensphase nehmen wir sie anders wahr.

Aufgrund dieses besonderen Stellenwertes in unserem Leben haben Bücher auch spezielle kommunikative Wirkungen.

Bücher sprechen an

Grundsätzlich vermitteln Bücher durch ihre materielle Form und den offensichtlichen Aufwand, der für ihre Entstehung betrieben wurde, Gewichtigkeit, Seriosität und Nachhaltigkeit. Hinzu kommt unsere kulturelle Prägung, die uns das Buch als geschichtsträchtiges, niveauvolles Medium wahrnehmen lässt, das Exklusivität verheißt. Deshalb sind wir gerne bereit, Büchern unser Vertrauen zu schenken und uns von ihnen einen Impuls geben zu lassen. Gleichzeitig schaffen sie Nähe, indem sie Meinungen wiedergeben, unterhalten, den Leser bilden und zu seiner Entwicklung beitragen. Darüber hinaus – und dies ist nicht zu unterschätzen – haben Bücher auch eine starke soziale Zeichenwirkung: Als Geschenk zeigen sie Wertschätzung, als Sammelobjekt manifestieren sie ein gehobenes Bildungsniveau, ihren Inhalten verleihen sie Exklusivität, ihrem Verfasser Expertenstatus.

Deshalb sind Bücher auch ein wichtiges Medium im Corporate Publishing, über das ich in Kürze ebenfalls berichten werde.

 

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