Es zweifelt heute kaum noch jemand daran, dass sich die Art, wie wir lesen und schreiben im digitalen Zeitalter verändern wird. Gut möglich, dass aus dem einsamen Schmökern bald ein vielschichtiges Erfahren von Geschichten, ja vielleicht sogar ein aktives Mitgestalten und ein mit vielen anderen Akteuren vernetztes Erleben wird. Dahingehende und vielleicht richtungsweisende Experimente stecken zwar noch in den Kinderschuhen, dennoch möchte ich hier ein paar aufregende Beispiele vorstellen.

Aufbruch in bewegte Wort-Welten

Der Beitrag „Als die Texte das Laufen lernten“ konzentrierte sich auf der Suche nach dem Bild der Literatur der Zukunft stark auf die innerliterarischen Aspekte beim Übergang zu digitalen Texten. Kurz gefasst: Letztere gewinnen durch die Loslösung eines „starren“ Trägermediums eine völlig neue Dimension der Sinnstiftung und der Interaktion mit dem Rezipienten hinzu. Am digitalen Bildschirm werden Worte dynamisch und im besten Wortsinn manipulierbar!

Heraus aus dem Buch und darüber hinaus – Die wachsende Bedeutung des Kontextes

Bis zu diesem Punkt habe ich den Fokus der Übersichtlichkeit halber nur auf den Text selbst und die Beziehungen zum Autor und Leser gelegt. (Die vielen multimedialen Anreicherungsmöglichkeiten, die z. B. in enhanced E-Books sicherlich auch zur Veränderung der Literatur beitragen, sollen hier zunächst ausgespart bleiben.) In der digitalen Welt wird es nun, da die Interaktion mit dem Text befeuert wurde, tatsächlich erst richtig spannend. Denn der Kontextualisierung wird beim Lesen am vernetzten Bildschirm eine immer größere Rolle zukommen. Ein Studienteam der Innovationsberater von IDEO hat ein Video mit dem Titel “The future of the book” (siehe unten) zusammengestellt, das darüber nachdenkt, inwiefern (digitale) Bücher der Zukunft mit über den Text selbst hinausreichenden Informationen angereichert sein werden. Hintergrundinformationen, aktuelle Diskussionsbeiträge und die grafisch aufbereitete Positionierung innerhalb eines übergeordneten Diskurses gehören danach ebenso zum mitgelieferten Datenangebot, wie die Möglichkeit, mit wenigen Klicks zwischen verschiedenen themenrelevanten Texten hin und her zu wechseln. (Vergleichen Sie dazu die Prognosen des institute for the future of the book).

Mach es zu deiner eigenen Geschichte

Gibt es kein abgeschlossenes Trägermedium für eine Geschichte mehr, so fällt als logische Folge bald auch die Vorgabe einer festgesetzten, invariablen Handlung. In Zukunft wird es möglich sein, selbst in den Verlauf belletristischer Werke einzugreifen. So werden wir, nach Meinung von IDEO, in Zusammenarbeit mit anderen Lesern, die Handlung beeinflussen und vorantreiben und, z. B. indem wir uns in der Realität an bestimmte, im Buch beschriebene Orte (etwa den Tatort eines Mordfalles) begeben, zusätzliche Inhalte freischalten können.

Zukunftsmusik? Mitnichten: Derzeit ist die innovative amerikanische Firma Pinbooks dabei, zentrale Daten (Orte, Personen, Gegenstände usw.) von Büchern zu digitalisieren, sie mit Geo-Tags in der Realität zu verorten und Benutzern zugänglich zu machen. Mithilfe des so entstehenden supraliterarischen Netzwerkes können Leser zukünftig nicht nur das Lieblingscafé ihres Lieblingshelden besuchen, alles über den bevorzugten Scotch von Kommissar XY erfahren, sondern auch an einem beliebigen Ort überprüfen, welche Texte darauf Bezug nehmen – ein Ausgangspunkt für ein ganz neues Erleben der Welt-Literatur.

Ein kleines Aber zum Schluss

So spannend all diese Denkrichtungen auch sind, solange digitale Lesegeräte (meist sind damit einfache E-Reader gemeint) dem Leser nicht mehr bieten als digitalisierte Surrogate papierener Literatur, werden die Bücher der Zukunft weit hinter den Möglichkeiten zurückbleiben, die das Lesen am vernetzten Bildschirm heute schon bieten könnte. Spannend wird es sein, zu beobachten, wie sich die derzeit rasante Verbreitung von Tablets auf die digitale Textwelt auswirken wird.

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Das geheime Leben der Bücher

December 17, 2012

Wissen Sie, was Ihre Bücher nachts so treiben? Dieses wundervolle Video-Kunstwerk inszeniert den Zauber eines quirligen Buchladens auf ganz eigene Weise – und es ist dabei kein Zufall, dass darin ausgerechnet ein Buch über Tim Burtons magische Animationsfilme eine zentrale Rolle spielt.

Lassen Sie sich, passend zur stimmungsvollen Weihnachtszeit verzaubern von der Schönheit der Bücher.


Eine Produktion von Sean Ohlenkamp für den Buchladen Type Books, Toronto, Ontario mit Musik von Grayson Matthews

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Diese Woche titelte die ZEIT: „Halt mal! Der Wert der Zeit: Ein Leitfaden der Entschleunigung“. Auf acht Seiten wird skizziert, dass Zeitknappheit, notorischer Stress und technische Beschleunigung längst zum kollektiven gesellschaftlichen Problem geworden sind. Besonders schön und typisch ZEIT: ein Artikel, in dem die fehlende Zeit für die entspannte Lektüre der ZEIT in einem fiktiven Dialog zwischen Redakteur und gestresstem Leser reflektiert wird. Einfach wunderbar.

Besinnliche Vorweihnachtszeit

Gerade jetzt kurz vor Weihnachten scheinen die meisten Menschen keineswegs die so häufig gewünschte „besinnliche Vorweihnacht“ zu genießen, sondern hetzen den letzten Terminen des Jahres, fehlenden (Ideen für) Weihnachtsgeschenke(n) und nicht erfüllten Zielvorgaben hinterher. Dies gilt gleichermaßen für zeitlich überforderte Eltern, die Teilzeitjob, Kinder, Haushalt, Freunde, Sport und Partnerschaft irgendwie unter einen Hut bringen müssen, wie auch für gestresste Kinderlose, die einfach zuviel arbeiten und von denen man annimmt, sie müssten doch eigentlich immer und überall für alles bereit sein.

Effizienz und Erreichbarkeit

Doch warum ist unsere Zeit eigentlich so stressig geworden? Liegt es am gestiegenen Anspruch, immer mehr in immer kürzerer Zeit immer effizienter bewältigen zu wollen? Ein Grund scheint in jedem Fall im digitalen Zeitalter und der damit einhergehenden ständigen Erreichbarkeit zu liegen. Gerade die permanente Abrufbarkeit von Nachrichten aller Art und der eigene Anspruch, schnellstmöglich auf diese Nachrichten zu reagieren, führen auf Dauer zu Stress und Überforderung.

Bücher  entschleunigen uns

Passend zum Thema habe ich im vergangenen Jahr den Artikel „Warum schnelle Zeiten ‚langsame’ Medien brauchen“ in dem Magazin CP-Monitor veröffentlicht. Darin beschreibe ich, dass gerade Büchern eine entscheidende Rolle bei der Entschleunigung zukommt. „Prozesse wie Imagination, das Aufrufen eigener Bilder und Muster, und Immersion, das Eintauchen in einen linearen Text, werden aktiviert.“ Einfacher gesagt: Mit Büchern kann man in andere Welten eintauchen, sich in sie fallen lassen und nachdenken. Aber gilt dies nicht auch für digitale Medien? – Zumindest wohl nicht im gleichen Maße. Denn durch die langsamere, „kontrollierbare Geschwindigkeit [wird] die Qualität der Kognition erhöht.“ Der Mensch braucht also etwas Langsamkeit, um seine Gedanken zu ordnen und damit entspannen zu können. Nur so kann neue Kreativität entstehen. Eventuell kommt einem bei der entspannten Lektüre sogar die ein oder andere Idee für ein noch fehlendes Geschenk. Und falls nicht, entsteht vielleicht die Gelassenheit, die eigene Imperfektion zu ertragen.

 

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Schön schaukelt es sich derzeit im Herzen der Buchbranche, schwer konzentriert werden die großen Herausforderungen im Zeitalter der Digitalisierung angepackt: neue Publikationsformen, neue Vertriebswege, neue Marketingstrategien. Worüber aber (noch) reichlich wenig gesprochen wird, ist der Wandel des eigentlichen Gegenstandes unserer Arbeit: Wie wird in zehn Jahren die Literatur selbst aussehen? Wird sie von der enormen Dynamisierung des Informations- und Datenflusses und von der stetig zunehmenden virtuellen Vernetzung revolutioniert werden? Die Literatur der Zukunft, ein äußert spannendes Thema und zudem eines, das noch ziemlich im Nebel liegt.

Mein liebes Buch, wo gehst Du hin?

Spätestens als sich im letzten Jahr der Börsenverein des Buchhandels öffentlichkeitswirksam dazu entschloss, fortan etwas knorrig von „Content“ anstatt von Büchern zu sprechen, wurde es Zeit zu fragen: Was passiert da eigentlich mit dem Text, wenn wir den Inhalt einmal mehr von seinem traditionellen Träger lösen. Über die Auswirkungen auf unser Leseverhalten hatte ich an dieser Stelle ja bereits nachgedacht. Nun möchte ich die Blickrichtung etwas verändern und mögliche Auswirkungen auf zukünftige Inhalte untersuchen. Und wie so oft lässt sich der gegenwärtige „Zustand“ der Literatur am besten begreifen, wenn man sich bewusst macht, wie wir „so weit“ gekommen sind.

Was heißt hier eigentlich digital? 

Norbert Bachleitner, Professor für Komparatistik an der Universität Wien, hat eine sehr spannende Abhandlung über digitale Formen der Literatur veröffentlicht – dem Thema entsprechend selbstverständlich online. Er untersucht darin (speziell am Beispiel der Lyrik), was sich an der Konzeption von Literatur beim Übergang vom analogen zum digitalen Datenträger ändert und stellt dabei verblüffend fest, dass sich dieser scheinbar hochaktuelle Schritt in eine Entwicklungslinie integrieren lässt, die bis in die Anfänge der Schriftkultur selbst zurückreicht.

Bereits in der Antike begannen Schriftsteller damit, Texten eine von der pragmatischen Zeilenabfolge abweichende, ganz bestimmte Form zu verleihen, die die Textaussage unterstützen, interpretieren und teils auch konterkarieren sollte. Ein antikes Gedicht von Simias von Rhodos variiert beispielsweise die Verslänge so, dass die Zeilen auf dem Papier die Form von Flügeln annehmen und so in ihrer Gestalt den Gott Eros symbolisieren. Man denke außerdem an die kunstvoll und bedeutungsschwer arrangierten Schriftschlangen mittelalterlicher Buchgestaltung. In der Barockzeit kamen sog. Figurengedichte richtiggehend in Mode. Über Christian Morgensterns „Die Trichter“, die konkrete Kunst der Nachkriegszeit und die Designkunst der Stuttgarter Gruppe (Vgl. Reinhard Döhls berühmte Textgrafik „Apfel“) führt Bachleitner die Entwicklungslinie weiter bis zur Visuellen Poesie im Internet.

Ein Haufen Pixel bittet zum Tanz – bewegte Texte

Begleitet wird diese Entwicklungslinie stets von einer zunehmenden Dynamisierung der Textgestalt. Dem Übergang zur digitalen Literatur verdankt der Text dabei die Loslösung von seiner statischen Form. Er gewinnt gleichsam eine neue Dimension der Sinnstiftung hinzu und kann nun nicht mehr nur durch Inhalt und Form, sondern auch über die dynamische Komponente interagieren. Am Bildschirm haben Texte das Laufen gelernt. Sehen Sie sich dazu beispielsweise Johannes Auers Fortführung der döhlschen Grafik unter dem Titel „worm applepie for döhl“ an.

Noch ein letzter Schritt ist nötig, um nun den Aufbruch ins digitale Zeitalter der Literatur zu vollziehen: Tatsächliche Interaktion! (Vergleichen Sie dazu die Forschungsarbeit des institute for the future of the book.) Erst am vernetzten Bildschirm ist es möglich geworden, den Leser eines Textes direkt in den Gestaltungsprozess miteinzubeziehen. Auch dazu ein anschauliches Beispiel: Jim Andrews präsentiert mit „Seattle Drift“ einen poetischen Text, der spannenderweise seine Neuartigkeit selbst thematisiert. Denn er (der Text) bezeichnet sich als „bösen Text“, als einen, der ständig den Drang verspürt, sich zu verselbständigen (Kontrollverlust als eine der zentralen Befürchtungen des Digitalzeitalters). Über eine Befehlsleiste kann der Leser dem Text nun die geforderte Freiheit schenken, ihn von der Leine lassen („Do the Text“), was dazu führt, dass die einzelnen Buchstaben über den gesamten Bildschirm auseinanderdriften. Der Leser hat anschließend jederzeit die Möglichkeit, den Text in einer Momentaufnahme erstarren zu lassen, oder ihn zu „disziplinieren“, also in die ursprüngliche Form zurückzuversetzen. Was Jim Andrews an seinem Textprogramm vorführt ist somit gleichsam eine Reflektion auf die Mechanismen, die Chancen und Risiken der Digitalisierung von Texten.

„Set me free“ – Why don’t you?

Einen Text zu digitalisieren heißt also, funktional gesehen, ihn von einem statischen Träger (z. B. Papier) auf einen manipulierbaren zu überführen. Stellen Sie sich vor, Sie könnten die wenigen (zugeben bei Jim Andrews noch streng vorgegebenen) Möglichkeiten der Einflussnahme auf einen vorgefundenen Text beliebig erweitern. Dann haben Sie eine Idee davon, wie sie tatsächlich aussehen könnte, die Literatur der Zukunft. Im direkten Anschluss an diesen Gedanken wird auch vorstellbar, wie sehr sich die Rollen auf dem literarischen Feld verändern werden. Noch ist niemand in der Lage zu sagen, welche Rollen Autoren, Leser, Verlage, Buchhändler usw. dabei bekleiden werden. Und auch wenn die Diskussion dieser Fragen (verständlicherweise) hoch emotional geführt wird, die Digitalisierung selbst wird sich davon völlig unbeeindruckt fortsetzen. Sie schlichtweg zu ignorieren, wird als Lösung des Problems nicht lange herhalten – besser wir beschäftigen uns frühzeitig mit den neuen, spannenden Möglichkeiten digitaler Texte.

 

Surf-Empfehlungen: Wenn Sie möchten, sehen Sie sich auch Robert Kendalls digitale (und multimedial angereicherte) Text-Komposition “Faith” an, oder lesen Sie die thematisch passende Forschungsarbeit “What’s next for text?” von Richard A. Lanham (University of Chicago). Eine große Auswahl der Litertur von Reinhard Döhl finden Sie ebenfalls online.

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Facebook bietet in den USA Promoted Posts für private Accounts an

Facebook gehört mittlerweile bei vielen von uns zum Alltag. Weltweit nutzen 900 Millionen Menschen und Institutionen das soziale Netzwerk. Doch was passiert, wenn Facebook sich selbst kommerzialisiert? Für die in den USA lebenden Nutzer ist dies seit einigen Wochen Realität – in Form von „Promoted Posts“.

Kritik an Facebook – ein Dauerbrenner

Ein bekannter Leitsatz der 68er Bewegung lautet: „Das Private ist politisch. Und das Politische ist privat.“ Im Zeitalter von Social Media könnte dieser Spruch nun in „Das Private ist öffentlich. Und das Öffentliche ist privat.“ umgemünzt werden. Das behaupten zumindest die zahlreichen Kritiker von Facebook, die seit Jahren beanstanden, dass personenbezogene Daten weitergegeben, personalisierte Werbung geschaltet und gegen zahlreiche Persönlichkeitsrechte verstoßen wird. Für seinen schludrigen Umgang mit der Privatsphäre wurde der Internetgigant 2011 denn ja auch mit dem Big Brother Award ausgezeichnet.

Bezahlte Aufmerksamkeit

Neben den bekannten Datenschutzproblemen, gegen die Facebook nur wenig unternimmt, gibt es jetzt eine Neuerung, die ebenfalls einen Sturm der Entrüstung auslösen könnte: private Promoted Posts.

Hierbei handelt es sich um die Möglichkeit, auf den eigenen Post, also den eigenen Beitrag, noch einmal besonders aufmerksam zu machen – und zwar gegen Geld. Für rund sieben Dollar kann man seinem Post einen besonderen Popularitätsschub verleihen. Dies war bisher nur Unternehmen möglich, doch seit einigen Wochen kommen auch private Nutzer in den USA in den Genuss dieses Angebots. Testläufe gab es dazu bereits seit Mai dieses Jahres.

Möglich sind Promoted Posts für alle Arten von Beiträgen: Statusmeldungen, Fotos, Angebote, Videos und Fragen. Angepriesen wird der Promoted Post z. B. für besonders wichtige Nachrichten, wie etwa die Mitteilung, dass man bald heiraten wird. Spätestens hier legt sich die Stirn in Falten: Lag der große Vorteil von Facebook nicht immer darin, dass es sich um ein freies und in jedem Fall kostenloses Netzwerk handelt? Und ist es nicht etwas seltsam, wenn man (umgerechnet) 5,40 € investiert, damit „Freunde“ den eigenen Beitrag auch wahrnehmen? Oder anders gefragt: Wer bitte ist ernsthaft bereit, dafür zu bezahlen, dass seine Freunde die Beiträge im Newsfeed auch ansehen? Kratzt das dann nicht am Selbstwertgefühl? Und wie wenig interessieren wir uns eigentlich mittlerweile für einander, wenn wir nicht mehr darauf reagieren, wenn jemand so ein wichtiges Ereignis wie seine bevorstehende Hochzeit verkündet?

Lukratives Geschäftsmodell

In jedem Fall ist interessant, ob und wie häufig die Facebook-Nutzer in den USA von dem neuen Angebot Gebrauch machen werden. Erweist sich das Geschäftsmodell entgegen meiner Skepsis als lukrativ, wäre das natürlich gut für Facebook. Vielleicht nicht für sein Image, aber mit Sicherheit für seine Bilanz. Denn trotz steigender Nutzerzahlen schrumpft der Gewinn und ist je Nutzer erstaunlich gering.

Fazit

Kann man sich Aufmerksamkeit erkaufen? Ja, natürlich kann man das. Dafür gibt es Anzeigenteile, die jedes Medium – ob im Print- oder Digitalbereich – gerne und auch notwendigerweise anbietet. Das macht auch Facebook schon lange und das ist sicher legitim. Doch mit der Möglichkeit der Promoted Posts könnte die Kommerzialisierung des Privaten eine neue Ebene erreichen, die meines Erachtens besorgniserregend ist. Ist Facebook damit erfolgreich und wird das Angebot auf alle Accounts erweitert, dann muss der 68er Spruch vielleicht schon bald erneut umgedichtet werden. Vielleicht etwa so: „Nur durch viel Geld wird das Private öffentlich. Sonst bleibt’ s privat.“

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„Wie schaffe ich es, mein Buch auf den Markt zu bringen?“ ist die alles entscheidende Frage, die sich Autoren immer wieder stellen. Crowdfunding heißt das neue Zauberwort, das für (werdende) Autoren zukünftig überaus interessant sein könnte.

Was ist Crowdfunding?

Vorreiter für das Crowdfunding – frei übersetzt „Schwarmfinanzierung“ – war die Musikbranche in  den USA, die sich am Anfang des neuen Jahrtausends wegen sinkender Einnahmen in einer tiefen Krise befand. Im Jahr 2000 gründete Brian Camelio, ein professioneller Musiker und Produzent, als Reaktion darauf die Internetplattform ArtistShare.com. Über diese Plattform wandten sich die Musiker dann an ihre Fans und baten um finanzielle Unterstützung für ihre jeweiligen Projekte, um das Geld für die Produktion eines Albums vor seiner eigentlichen Veröffentlichung zu bekommen. Mit Hilfe zahlreicher sogenannter „Believer“ gelang es so, jeweils genügend Geld zusammenzubekommen, dass die Musiker ins Tonstudio gehen und ihre Ideen umsetzen konnten. Eine neue Finanzierungsform war geboren. Auf diese Art und Weise wurden in den letzten Jahren mehr als 50 Bandprojekte umgesetzt. Die Idee ist also so simpel wie effektiv.

Crowdfunding heute

Am Anfang war die Musik, danach griff der Crowdfunding-Hype auf alle anderen kreativen Bereiche, wie Film, Mode, Fotografie oder Design, über. In Deutschland starteten ab 2010 mehrere Crowdfunding-Plattformen, z. B. Startnext, Pling oder Inkubato. Was einst als Finanzierungsalternative für Kreative angefangen hatte, steht nun sogar jungen Firmen und Unternehmen offen, die Ihre Innovationen über Portale wie Seedmatch, Mashup-Finance oder Innovestment präsentieren und finanzieren lassen können.

Google-Suchanfragen nach dem Begriff "Crowdfunding"

Jemand – das können eine Einzelperson, mehrere oder ein ganzes Unternehmen sein – hat ein Projekt oder ein Produkt, das am Markt etabliert werden soll, kann oder möchte es aber nicht selbst finanzieren. Nach der Annahme der Bewerbung wird das Projekt auf einem der Crowdfunding-Portale ausgeschrieben. Nun muss die Crowd, die Masse, aktiviert werden, was in der Regel über mehr oder weniger ausgeklügelte oder umfangreiche Marketingmaßnahmen passiert, Mund-zu-Mund-Propaganda eingeschlossen.

Eine solche Aktion ist durch eine Mindestkapitalmenge gekennzeichnet, die durch die Crowd finanziert werden muss. Im Vergleich zu dieser Mindestkapitalsumme ist der Anteil des einzelnen Crowdfunders aber eher gering. Der entscheidende Vorteil für das ausschreibende Unternehmen oder die handelnde Person: Sie erhalten die finanziellen Mittel, ohne Sicherheiten stellen zu müssen, ganz im Gegensatz zu einem Bankkredit. Der Crowdfunder, Believer, Anteilseigner erhält im Gegenzug eine geldwerte Leistung.

Was haben die Vertragspartner beim Crowdfunding von diesem Finanzierungsmodell?

Gehen wir noch einmal vom Beispiel der Musikindustrie aus: Durch die Unterstützung des Geldgebers kommt das Projekt (z. B. ein neues Musik-Album) überhaupt erst zustande. Er kann sich also als eine moderne Form des Mäzens fühlen. Durch die finanzielle Hilfe geht er zwar auch in Vorleistung (im Prinzip eine Vorbestellung vor Produktionsbeginn), erwirbt dafür aber das Vorzugsrecht, zu den Ersten zu gehören, die das neue Album in Händen halten, evtl. angereichert mit einer Widmung des Künstlers.

Auf der anderen Seite gewinnt der Produzent eines Produktes schon vor Beginn einen guten Überblick über die zu erwartenden Marktchancen. Sind genug Unterstützer dazu bereit, sich an dem Projekt zu beteiligen, ist davon auszugehen, dass sich später auch genug Käufer dafür finden lassen. Crowdfunding liefert also gewissermaßen die Marktanalyse gleich mit dazu. Plus: Mit der Vielzahl an Menschen, die nun teilhaben an der Verwirklichung des Projektes, steigt auch der Wirkungskreis bei Markteintritt. Jeder Crowdfunder ist ein potentieller Multiplikator, der die Kunde von dem neuen Produkt auf dem Markt begeistert weitergibt.

Crowdfunding für Autoren

Eine kreative Leistung steckt ohne Frage nicht nur in einer neuen Platte, einer extravaganten Modekollektion oder einem innovativen Film, sondern erst recht in einem Buch. Was also spricht dagegen, sein Buchprojekt durch Crowdfunding zu finanzieren?

Hier ein Beispiel aus meinem eigenen Verlag: Autor Heinz Klette schrieb seine Autobiografie, starb aber, ehe er sie veröffentlichen konnte. Ein guter Freund wollte das so nicht auf sich beruhen lassen, kontaktierte den Frieling-Verlag und bat um ein Veröffentlichungsangebot. Gleichzeitig mobilisierte er die anderen Freunde und bat sie um eine Spende, um dieses Buchprojekt so doch noch realisieren zu können. Binnen vier Wochen spendeten ausnahmslos alle, sodass die notwendige Summe ohne Probleme zusammenkam. Nun ist Heinz Klettes Werk im Druck … Dem Autor hätte die Veröffentlichung sicher große Freude bereitet.

Der Leser als Crowfunder

Man kann also sagen, dass diejenigen, die in eine Crowdfunding-Unternehmung investieren, sich mit dem „Produkt“ identifizieren oder einen ganz persönlichen Bezug dazu haben. Aber nicht nur das: Unabhängig von der Art der Gegenleistung ist der Crowdfunder ebenso ein Mitbestimmer. Denn mit ihm kann auch auf den Markt kommen, was sonst keine oder nur geringe Chancen gehabt hätte.

Einfluss zu nehmen und teilzuhaben an kreativen Ideen und Innovationen aller Art dürfte für viele Menschen ein starker Anreiz zum Handeln sein. Und einem Verlag kann es letztendlich nur recht sein, wenn eine interessierte Leserschaft aktiv dazu beiträgt, dass ein Buchprojekt verwirklicht werden kann. Und vielleicht oder gerade deshalb ist Crowdfunding  für Bücher ein Markt der Zukunft.

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Macht uns das Lesen am Bildschirm dumm? Zerstört das Internet unsere Fähigkeit, komplexe Texte zu verstehen? Oder geht es bei der Diskussion über die digitale Revolution um ganz andere Fragen?

Manfred Spitzer hat mit seinem im Sommer erschienenen Buch „Digitale Demenz“ die Debatte um die Vor- und Nachteile der digitalen Technologie erneut befeuert. Sein neuestes Werk traf aber weitgehend auf eher ablehnende bis vernichtende Kritik. Die Auswirkungen des Computers und seiner Verwandten auf Bildung und Kultur seien differenzierter zu betrachten. Und in der Tat vermischen sich in der Diskussion regelmäßig mehrere Ebenen. Die schon angesprochene Mainzer Lesestudie hat ja auch gezeigt, dass die Technik – bedrucktes Papier oder Bildschirm – für das Lesen selbst unerheblich ist.

Die Bedeutung des Kontextes

Im Kern geht es in der Debatte um die digitale Revolution des Lesens um kulturelle Kontexte. Lesen ist schließlich nicht natürlich, sondern eine Kulturtechnik – und aus der Perspektive der Entwicklung des Menschen relativ jung. Uns erscheint die Schriftkultur nur deshalb alt, weil wir hauptsächlich als geschichtlich wahrnehmen, was schriftlich festgehalten wurde. Lesen als Massenphänomen gibt es erst seit ein paar Generationen – fast zu jedem Zeitpunkt in den vergangenen 6000 Jahren war die Mehrheit der Menschen des Lesens nicht mächtig.

Entsprechend ist das „analoge“ Lesen kein monolithischer Block – babylonische Gutsverwalter, Theologiestudenten des Mittelalters, die Mimi aus dem Schlager, die ohne Krimi nicht ins Bett ging, und SMS-Schreiberinnen der Jahrtausendwende: Sie alle haben auch unabhängig von der Technik ganz unterschiedlich gelesen. So wie sich heute die Lektüre eines wissenschaftlichen Artikels von der eines Romans und der eines Artikels aus der Bunten unterscheidet. Deshalb ist der Zusammenhang zwischen Technik und Leseakt eher indirekt: Neue Medien ermöglichen neue Formen wirtschaftlichen und sozialen Austauschs, und diese prägen dann die Gewohnheiten des Lesens.

Lesen als Training des Gehirns

Das gelingt dank der Plastizität des menschlichen Gehirns: Dieses passt sich den Anforderungen seiner Umgebung an. Nur deshalb können wir überhaupt das Lesen lernen – das Gehirn ist nicht auf die Umgebung der Steinzeit festgelegt, auch wenn wir einiges an genetischem Erbe aus dieser Zeit mit uns herumschleppen. Die Folge dieser Anpassungsfähigkeit: Wir lernen, was wir tun. Und das bedeutet auch, dass wir mit unserem alltäglichen Handeln ggf. Fähigkeiten verstärken, die wir gar nicht stärken wollen.

Vieles vom Unbehagen gegenüber dem „Digitalen“ scheint auf Beobachtungen zu beruhen, wie sie Maryanne Wolf im buchreport.magazin von August 2012 schildert: Nach jahrelangem flüchtigen, oberflächlichen Lesen im Internet habe ihr die Lektüre von Hesses „Glasperlenspiel“ keinen Genuss mehr geboten – sie hatte verlernt, sich gefühl- und fantasievoll mit dem Text auseinanderzusetzen. Dem Buch steht hier nicht das E-Book gegenüber, sondern „das Internet“.

Unsere Verwendung des Internets

Aber warum ist die dortige Lektüre „flüchtiger“, „oberflächlicher“? Das liegt nicht an der Technik – weder am Bildschirm, noch am HTML-Code. Sondern daran, wie diese neue kulturelle „Leinwand“ bespielt und genutzt wird. An der Nähe redaktioneller Inhalte zu Werbeanzeigen, die mit grafischen Elementen und Bewegtbildern vom eigentlichen Inhalt ablenken. An einem allgemeinen Kampf um Aufmerksamkeit, der auf journalistische Formen setzt, auf kurze Sätze und einfache Geschichten.

Das Internet hat zudem eine neue Freizeitbeschäftigung ermöglicht: das Surfen. Viel einfacher als in einer Bibliothek (und das sogar auf dem eigenen Sofa) kann man sich im Internet innerhalb kurzer Zeit mit ganz unterschiedlichen Themen beschäftigen. Die oberflächlichere Auseinandersetzung mit vielem (statt der intensiven Auseinandersetzung mit einem einzigen Roman beispielsweise) ist aber zunächst einmal wertfrei einfach eine andere Art, die eigene Intelligenz zu füttern. Ob es sich dabei um einen Gewinn oder einen Verlust handelt, lässt sich nur bewerten, wenn man einen Zweck der Tätigkeit unterstellt.

Spuren der Arbeit

Und hier kommt ein weiterer sozialer Aspekt ins Spiel: die Arbeit. Aus der Wirtschaft werden üblicherweise die Ansprüche abgeleitet, an denen sich die Fähigkeiten des einzelnen zu messen haben. Andererseits verstärkt das moderne Arbeitsleben aber vermutlich die Abwendung vom „tiefen“ Lesen. Wenn alles schneller werden muss, wenn die Datenverarbeitung gegenüber dem Verstehen an Bedeutung gewinnt, leidet die intensive Auseinandersetzung mit Texten gegenüber der Verwertung von Quergelesenem.

Hinter der Diskussion um unterschiedliche Medien steckt also – wie so oft – eigentlich die Frage, wie wir unser Leben führen wollen, was wir als Wertschöpfung begreifen und wie wir diese Wertschöpfung in und außerhalb von Unternehmen organisieren.

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In diesem Jahr präsentierten wir auf der Frankfurter Buchmesse stolz unser erstes eigenes enhanced E-Book auf dem iPad. Doch wie kam unsere Innovation an? Konnten die Besucher der Messe mit so viel Modernität und Interaktivität überhaupt umgehen? Ein reflektierender Erfahrungsbericht.

E-Books – zumindest komplementär nicht mehr zu stoppen

Der Umgang mit E-Books wird ja seit einigen Jahren konstant auf der Buchmesse diskutiert. Auch ich habe mich dem Thema hier schon häufiger zugewandt. In Frankfurt waren dazu auch in diesem Jahr wieder zahlreiche (und durchaus kritische) Stimmen zu vernehmen. So sagte etwa Jussi Adler Olsen bei der Vorstellung seines neuesten Thrillers „Erbarmen“, er bedauere es sehr, auf diese Weise von der Internet-Community gemobbt worden zu sein, sein Experiment zur Unterstützung des Buchhandels sei offensichtlich gescheitert. Hintergrund dieser Äußerung war, dass Olsen das E-Book zu seinem Bestseller erst ein halbes Jahr nach dem Erscheinen seines Romans herausbringen wollte. Daraufhin hagelte es Protestbriefe an Autor und Verlag. Dem Sturm der Entrüstung der vielen E-Book-affinen Leser hat Olsen dann schnell nachgegeben wie buchreport berichtete.

E-Book – enhanced und als App

Während einfache E-Books nun (fast) schon zum Alltagsgeschäft der Verlage zählen, verstärkt sich ein neuer Trend: die Erstellung von enhanced E-Books und Apps (also von multimedial angereicherten elektronischen Texten). Auch wir präsentierten auf der Buchmesse stolz unser erstes enhanced E-Book. (Programmiert wurde das Projekt als App, also als Anwendung, die eigenständig und ohne einen speziellen E-Reader auf einem Tablet o. ä. lesbar ist.) Mit banger Vorfreude erwarteten wir die Reaktionen der vielen Besucher, die an unserem Verlagsstand vorbeiströmten. Allerdings mussten wir erst einmal feststellen, dass die mediale Präsenz eines kleinen iPads gegen die riesigen Flatscreens von 3Sat und Co auf der gegenüberliegenden Seite des Flures nicht viel ausrichten kann. Unsere App war davon bedroht, schlichtweg übersehen zu werden.

Etwas verschüchtert wagten sich dann aber doch einige Besucher an das Tablet. Diese waren von den vielen Möglichkeiten und medialen Erweiterungen durchgehend angenehm überrascht. Allerdings herrschte insgesamt noch recht viel Verwirrung, sowohl was die Begrifflichkeiten, als auch was die Bedienung von Tablets und enhanced E-Books anging. Und so waren die Gespräche über unsere Buch-App doch häufig allgemeiner Art, da zumeist die vielen neuen technischen Möglichkeiten begrüßt und besprochen wurden. Manchmal konnte man dann ein schlichtes „Das’s ja doll!“ vernehmen. Manche Messebesucher fragten allerdings auch, inwiefern es sich hierbei eigentlich noch um ein Buch handeln würde?

Digital Natives

Deutlich war zudem der Generationenunterschied bei der Annäherung an das enhanced E-Book spürbar. Während ein Achtjähriger ungeniert mehrmals die Anwendung verließ, um Angry Birds und Paper Toss zu spielen, näherten sich ältere Menschen der App mit großem Respekt und manchmal sogar mit übertriebener Vorsicht.

Nach der Messe ist vor der Messe

Neben der Frage der Präsentation eines im Trubel der Buchmesse winzig erscheinenden iPads werden wir für die kommenden Messeauftritte deshalb wohl verstärkt überlegen, wie wir auch ältere Besucher an die moderne Technik und unsere App heranführen können. Schließlich wird dies nicht die letzte Vorführung eines enhanced E-Books gewesen sein. Dafür birgt die Technik zu viel Potential, um aus der elektronischen Form eines Buches eben mehr zu machen, als nur eine digital präsentierte Kopie des Textes. Und die nächste Messe kommt bestimmt.

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Jedes Jahr im Oktober öffnet die Frankfurter Messe ihre mächtigen Tore. Auch wir waren 2012 natürlich wieder auf der weltgrößten Buchmesse mit unseren Verlagen vertreten. Doch welche Eindrücke bleiben, wenn die Menschen­mengen nach Hause zurückgekehrt sind und die Stände nach fünf langen Tagen verlassen werden?

Prominenz jeglicher Couleur

Unser Verlagshaus präsentierte sich in Halle 4.1 – diesmal in direkter Nachbarschaft zu 3Sat und dem Forum „Deutscher Buchpreis – Werkschau“. So war es auch mir und meinen Verlagsmitarbeitern trotz zahlreicher Termine und Gespräche möglich, den ein oder anderen Exponenten der Literaturszene im Interview live zu erleben. Besonders nachhaltig beeindruckt war ich von Martin Walser, Roger Willemsen und Juli Zeh. Letztere imponierte den Zuschauern insbesondere durch ihre scharfen gesellschaftlichen Analysen und ihren positiven Blick auf zukünftige Generationen. Der allerdings steht in eklatantem Widerspruch zu ihren destruktiven Romanfiguren. Auch Arnold Schwarzenegger stellte sein Buch im ARD-Pavillon vor; ein Blick auf den Terminator blieb uns jedoch wegen seines gelungenen Versteckspiels nach seiner Buchpräsentation verwehrt. Ob wir da etwas verpasst haben?

Ehrengast Neuseeland

Das Gastland Neuseeland präsentierte sich durchaus gelungen in einem gigantischen Pavillon voller Wasser, Licht und Soundeffekte. In der weitestgehend im Dunkeln liegenden Halle waren die Bücher über dieses wunderbare, uns so ferne Land außergewöhnlich in Szene gesetzt. Imposant waren zudem die exotischen Maoritänze und die überdimensionalen Videoleinwände.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Auch wir hatten bei unserer beliebten Standlesung ein Reisetagebuch über Neuseeland im Programm, das großen Anklang fand.

Was bleibt?

So nehmen wir wieder viele, zumeist positive Impressionen und inspirierende Erlebnisse in unser Berliner Verlagshaus mit. Vielleicht ist es uns ja gelungen, einige dieser Erlebnisse in Erfahrungen zu verwandeln. So wie es der überaus charismatische Roger Willemsen im Interview mit Tina Mendelsohn wohl gemeint hat, als er von einer gelungenen Transformation des erlebten Moments in eine bleibende Erfahrung sprach. Nun denn, wir werden es versuchen. In jedem Fall sind wir dankbar für die vielen freundlichen und bereichernden Begegnungen.

 

 

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Mit diesem gleichermaßen provokanten, wie gelungenen Slogan wirbt derzeit BookRix. Der Internetanbieter gibt Autoren seit Anfang dieser Woche die Möglichkeit, ihre unkorrigierten Texte kostenfrei als E-Books herauszugeben. So eröffnet sich für zukünftige Autoren eine ganz neue Möglichkeit, ihre Texte zu veröffentlichen – kostenfrei, als Selfpublisher, ganz ohne Verlag. Doch ist das wirklich für alle die richtige Lösung?

Wie funktioniert Self-Publishing?

Zunächst klingt es simpel: Man bringt sein Buch in ein gewisses Dateiformat und lädt es dann als E-Book hoch. Das wars schon. Verlangen Autor oder Markt nach dem Buch, wird das Buch gedruckt, und zwar genau so viele Exemplare, wie gerade nachgefragt werden. Das ist vergleichsweise kostengünstig und sehr effektiv. Allerdings macht der Selfpublisher so gut wie alles selbst. Ein geringer finanzieller Aufwand, eine akzeptable Marge und persönliche Unabhängigkeit stehen also hohem zeitlichem Aufwand und notwendigem Eigenengagement auf allen (medialen) Ebenen gegenüber.

Ein gewisses Maß an Selbstvertrauen und der Mut zur Eigenverantwortung sind also ohne Frage notwendig, wenn man sich ohne einen renommierten Verlag ins Wirrwarr des Veröffentlichens stürzen will. Denn nicht mehr nur für den Inhalt seines Werkes muss der Autor geradestehen, sondern auch für Orthografie, Grammatik, Gestaltung, E-Book-Plattform und Marketing. Die helfende, ordnende, korrigierende, präzisierende, manchmal auch zensierende, und oft rettende Hand des Verlages fehlt. Darüber hinaus obliegt es dem Autor, eine Datei seines Buches zu erstellen, die mit den Systemen der Anbieter kompatibel ist. Dafür kann er entscheiden, wann und wo er veröffentlicht, wo er welche Werbung macht und wie viel.

Social Media Marketing fürs eigene Buch

Um die Werbung aber muss sich der Autor nun ebenfalls allein kümmern, auch wenn vielfältige kostenpflichtige Angebote unterstützen können. Auch hier ist BookRix innovativ, da die Autoren ihre E-Books nicht nur verkaufen, sondern auch in der eigenen Social-Media-Gemeinschaft vermarkten können. Glücklich schätzen kann sich auf jeden Fall, wer selbst in sozialen Netzwerken aktiv ist. Ein Tweed hier, ein Posting dort, aber immer wieder und wieder, damit im Gedächtnis bleibt, was sonst in klassischer Anzeigenform auf die Öffentlichkeit einprasselt. Relativ neu und bei vielen Anbietern verbreitet ist die Möglichkeit, einen Buchtrailer erstellen zu lassen und diesen z. B. bei YouTube einzustellen.

Reich und berühmt

Wird man als Selfpublisher reich und berühmt? Eher nicht. Natürlich gibt es helle Sterne am Autorenhimmel wie Amanda Hocking, die schon 2010 ihr erstes Buch als E-Book über Amazon veröffentlichte und heute mehr als 1,5 Millionen Bücher verkauft hat. Allerdings bildet sie damit eher die Ausnahme.

Für wen ist Selfpublishing das Richtige?

Selfpublishing ist in jedem Fall ein guter Einstieg und bietet die Möglichkeit, sein Buch zu verlegen, auch wenn man keinen Verlag von sich überzeugen konnte und nicht das nötige Geld für einen Privatverlag hat. Und in jedem Fall ist das innovative Angebot von BookRix interessant und ein weitere Neuerung, die die Verlags- und Buchwelt verändern wird. Allerdings sollte man beim Selfpublishing die nötigen Kompetenzen und Kenntnisse zur Erstellung seines Buches mitbringen oder Menschen beauftragen, die z. B. das Korrektorat übernehmen. Sonst wird das Vorhaben schnell peinlich und die Veröffentlichung eher unangenehm.

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