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October 10, 2011

„Die Welt ist im Wandel.“ Wahrscheinlich wird diese von J. R. R. Tolkien geprägte Formel derzeit nirgends öfter zitiert, als in den Büros der internationalen Verlage und natürlich in der zugehörigen Presseberichterstattung. Nüchterner und stärker auf den Buchmarkt bezogen formuliert dieser Tage Alexander Skipis, der Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins des deutschen Buchhandels : „Wir sind selbst auf dem Weg. Veränderung ist uns zum Normalfall geworden.“ Das müssen tatsächlich neue Zeiten sein, wenn das Börsenblatt als zentrales Organ des Börsenvereins im Mai dieses Jahres „die neue S-Klasse“ der Buchbranche feiert und damit Self-Publishing Autoren großes Gewicht für die Zukunft auf dem Publikationsmarkt prognostiziert. Gleichzeitig starten renommierte Verlage eigene Plattformen für Self-Publisher (etwa die Holtzbrinckverlagsgruppe mit epubli in Berlin und der zu Droemer Knaur gehörigen Plattform Neobooks) und schütteln damit offenbar die alten Berührungsängste mit Geschäftsmodellen ab, die nicht dem klassischen Verlagsbild entsprechen. Herr Skipis hat also recht: die ganze Branche ist in Bewegung geraten.
Digitaldruck, Print on Demand, eBooks, Online-Bookshops, Self-Publishing-Plattformen, Literaturblogs, elektronische Salons, Peergroup- und Social Media Marketing – im Kontext der voranschreitenden Digitalisierung der Medienlandschaft ergeben sich, sowohl für Verlage als auch für Autoren, in rasanter Geschwindigkeit immer neue Möglichkeiten und Wege, wenn es darum geht, mit Texten an das Licht der Öffentlichkeit zu treten. Überhaupt führen Übergangsphasen, wie es nun einmal ihre Art ist, eine ganze Menge offener Fragen im Gepäck. Hier ist es selbst für Experten schwierig, den Überblick zu behalten und Chancen und Risiken, die sich aus den aktuellen Entwicklungen ergeben, richtig einzuschätzen.

Dadurch stehen natürlich auch die Autoren von morgen vor neuen Herausforderungen. Sie sind von den Verlagerungen innerhalb der Buchbranche nämlich genauso betroffen. Durch die Vielfalt der Möglichkeit wird es immer schwieriger, für eigene Projekte den jeweils optimalen Veröffentlichungsweg zu finden. Sich hier mit den gangbaren Alternativen auseinanderzusetzen, heißt auch, sich für eine bestimmte Rolle zu entscheiden, die man als Schreibender innerhalb der Buchbranche bekleiden möchte, zum Beispiel als Self-Publisher oder als Autor in einem Verlag. Das gilt im Übrigen in ähnlicher Weise für Menschen und Institutionen, die Bücher im Kommunikationsbereich (Corporate Publishing) einsetzen möchten.

Aus meiner Tätigkeit als Verleger, weiß ich, wie viele dringliche Fragen sich im täglichen Miteinander auf dem literarischen Markt ergeben. Ich denke, es ist höchste Zeit, sich zum einen aktiv an der Diskussion um die Zukunft des Verlagswesens zu beteiligen, und zum anderen, gerade für Schreibende eine Hilfestellung zu bieten, Entwicklungslinien der Buchbranche aufzuzeigen und vor allem, Einblicke in die Welt des zeitgemäßen Publizierens zu bieten.

Die Buchbranche hat sich auf den Weg gemacht, über Ziel und Geschwindigkeit der Reise darf und wird ausführlich diskutiert und gestritten werden. Einer der zentralen Orte für solche Debatten ist traditionell das Branchentreffen auf der Frankfurter Buchmesse. Deshalb erscheint mir der Zeitpunkt, kurz vor der Messe, der richtige zu sein, um mit meinem Blog an den Start zu gehen.

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