Der Flirt mit dem Buchhändler

January 13, 2012

Sicherlich haben auch Sie einen Lieblingsbuchladen – einen Ort, der zum Stöbern einlädt, an dem man sich wohlfühlt, sich gut beraten fühlt, einen Ort, der unerschütterlich mit der Erinnerung an inzwischen lieb gewonnenen Lesestoff verknüpft ist. Die Üppigkeit gefüllter Regale, der Geruch nach frisch bedrucktem Papier, aufgeschnappte Gesprächsfetzen anderer Besucher und Empfehlungen des kompetenten Personals – Buchhandlungen sind Horte wertvoller Buchschätze und ideale Ausgangspunkte für Entdeckungsreisen in die Welt der Worte.

Man kann den Buchhandel allerdings auch ein wenig anders sehen. Denn aus Autorensicht bekommt das hier beschriebene Idyll bisweilen eine gewisse Ambivalenz, vor allem dann nämlich, wenn das eigene Buch nicht in den Regalen zu finden ist. Wer selbst schon ein Buch publiziert hat, der weiß, wie schwer es ist, dieses in der Auslage der Händler unterzubringen.

Man sollte sich vor Augen führen, dass allein in Deutschland mehr Bücher auf dem Markt sind, als je ein Händler lagern könnte. Deshalb ist es wenig verwunderlich, dass der Platz in den Buchregalen hart umkämpft ist. Branchen-Riesen wie Thalia und Hugendubel lassen sich die exklusiven Präsentationsflächen in ihren Filialen teuer bezahlen. Dabei fließen Summen, die sich kleine Verlage, geschweige denn Autoren, in der Regel nicht leisten können. Letztere sind also umso mehr darauf angewiesen, gute Beziehungen zu den vielen kleineren Spezialbuchhandlungen zu unterhalten. Es lohnt sich in jedem Fall darüber nachzudenken, was man dort als Autor für den Verkauf seiner Bücher tun kann, und was man besser lassen sollte.

Der Flirt mit dem Buchhändler mag ein mühsames Geschäft sein, wer aber Einfühlungsvermögen, Fantasie und Geduld mitbringt, hat in Spezialbuchhandlungen durchaus Chancen, sein Buch in die Auslage zu bekommen. Die Autorin M. J. Rose hat auf dem Online-Fachjournal Publishing Perspektives Erfahrungsberichte und Tipps von Branchenexperten zusammengetragen, die beschreiben, wie sich Händler sanft, aber wirkungsvoll umgarnen lassen: Machen Sie sich und Ihr Werk bekannt, bemustern Sie Ihren Lieblingsladen mit einem kostenlosen Leseexemplar, bauen Sie eine persönliche Beziehung auf und bieten Sie an, eine Lesung im Laden zu veranstalten. Es gibt viele Wege, um einem Buchhändler die Aufnahme Ihres Titels schmackhaft zu machen. Achten Sie bei der Wahl Ihrer Mittel aber stets darauf, charmant, dezent und nicht zu offensiv vorzugehen. Sie sollten es beispielsweise vermeiden, den Buchhändler zu fragen, warum er gerade Ihr Buch nicht auf Lager habe. Halten Sie sich im Gedächtnis: Gerade spezialisierte Buchhändler lieben es nicht, sich bei der Wahl ihres Programms genötigt zu fühlen. In Roses Artikel findet sich eine amüsante Auswahl an Ideen und Anregungen, die sich vielleicht auch als Inspirationsquelle für ein paar gute Vorsätze für das gerade begonnene Jahr eignen.

Lassen Sie sich inspirieren, wenn Sie möchten. In jedem Fall wünsche ich Ihnen ein erfolgreiches und Glück bringendes Jahr.

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