Federleicht, der innovative Schreibwettbewerb – ein Nachtrag

March 2, 2012

Bei allem theoretischen Nachdenken über Wesen, Alltag und Beweggründe des Autors sollte eines nicht vergessen werden: Der Wandel der Zeit, dem sowohl das (Selbst-) Verständnis des Autoren wie auch das Schreiben an sich unterworfen ist. In dieser Hinsicht möchte ich noch einen kurzen Nachtrag zu den Überlegungen des letzten Beitrags liefern.

Derzeit findet auf Initiative des Vereins Fun-For-Writing e. V. unter dem Titel „Federleicht“ ein offener Schreibwettbewerb statt, an dem jeder teilnehmen kann – und soll. Die Schirmherrschaft übernimmt der Regierende Bürgermeister von Berlin Klaus Wowereit höchstpersönlich. Das Besondere: Der Wettbewerb möchte unter dem Wahlspruch „Das Wichtigste ist der Spaß am Schreiben“ mit einem integrativen Ansatz zeigen, dass Schreiben eine enorm vielschichtige Kulturtechnik ist, zu der alle Menschen befähigt sind, bzw. die wir alle im Grunde fortwährend, teils unbewusst, ausüben. Konsequent nimmt der Wettbewerb ausdrücklich auch Schriftformen mit in den Fokus, die zunächst oft übersehen werden, beschäftigt man sich mit Sprache, Schrift und Literatur. So werden nicht nur Kurzgeschichten, Märchen und Romane prämiert, sondern auch Schriftformen wie SMS, Liedtexte und Briefe. Der Schreibwettbewerb richtet sich zudem ausdrücklich nicht nur an deutsche Staatsbürger, sondern an alle, die sich gerne mit der deutschen Sprache beschäftigen. Einsendeschluss ist der 30. April 2012. Aus den Einsendungen wählt eine prominent besetzte Jury (u. a. mit dem Schriftsteller Wladimir Kaminer, dem Kolumnisten Harald Martenstein, aber auch mit Dr. Motte, dem Gründer der Loveparade) die Sieger aus, welchen eine Reihe von Sach- und Geldpreisen winkt. Die feierliche Verleihung findet Anfang 2013 in der Neuköllner Oper statt, die zu den Sponsoren der Aktion gehört. Nähere Informationen finden sich auf der Website des Schreibwettbewerbs Federleicht.

Das Beispiel dieses Schreibwettbewerbs ist nicht nur deshalb interessant, weil es als ambitionierte und lobenswerte Aktion die Leidenschaft am Schreiben und den produktiven Umgang mit Literatur fördert, sondern weil es die Aufmerksamkeit auf einen Aspekt lenkt, der bei aller Konzentration auf die zukunftsweisende Trends und technische Innovationen gerne zu kurz kommt: Literatur fängt bei den Menschen an. Deren Schreibgewohnheiten, deren Zugang zur Schrift bzw. veränderte Rahmenbedingungen in deren Leben wirken sich ebenso auf die Zukunft des Publizierens aus, wie strategische Überlegungen des Verlagswesens oder drucktechnische Innovationen. Wenn sich alltägliches Schreiben (per SMS, per E-Mail, auf Blogs und in Social Media Anwendungen) in zunehmenden Maße digital abspielt, warum sollte dieses Phänomen dann nicht auch Auswirkungen auf unser Verständnis von Literatur mit sich bringen? Mit anderen Worten, können wir so tun, als ob alltägliches und literarisches Schreiben Sphären ohne gegenseitige Berührungspunkte darstellen? Oder müssen sich gegenwärtige Schreibtechniken nicht zwangsläufig auch in der Literatur unserer Zeit widerspiegeln? Und schließlich: Wer an einem repräsentativen Querschnitt durch die gegenwärtige deutsche Literatur interessiert ist, der sollte nicht allein auf renomierte Literaturpreisverleihungen schauen, sondern ebenso innovative Wettbewerbe wie den hier vorgestellten im Auge behalten.

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