„Leipzig“ bestätigt seinen Ruf als Lesefest und Autorenmesse

March 23, 2012

Ein Nachbericht von der Leipziger Buchmesse 2012

Verlage und Aussteller, Bücherfreunde und Fachbesucher, Autoren und Leser, Manga-Fans und Cosplayer und nicht zuletzt die Veranstalter zeigten sich hoch zufrieden mit dem Verlauf der Leipziger Buchmesse vom 14. bis 17. März 2012. Nicht nur die frühlingshaften Temperaturen und der herrliche Sonnenschein, die die große Glashalle in einen Bücherpalast verwandelten, sorgten für gute Stimmung auf dem europaweit größten Lesefest. Mit 163 500 Besuchern wurde das sehr hohe Vorjahresniveau sogar noch einmal leicht überboten.

Wie jedes Jahr trugen während der vier Tage an vielen Veranstaltungsorten der Stadt aber auch in den Messehallen zahlreiche Autoren aus ihren Neuerscheinungen vor. Das Entdecken, Erleben und Erlesen neuer Literatur steht bereits traditionell in Leipzig im Mittelpunkt, was nicht unwesentlich zur großen Beliebtheit des Buchfestes beiträgt. In diesem Zusammenhang gab es dieses Jahr übrigens eine ganz besondere Attraktion. Denn am Freitag wurde unter der Aufsicht eines offiziellen Schiedsrichters ein neuer Weltrekord im „Staffel-Lesen“ aufgestellt. Eingeladen hatte die Online-Bibliothek Skoobe – ein Gemeinschaftsprojekt von Random House, Holtzbrinck und der Bertelsmanntochter Arvato. Der Anbieter einer neuen „App“ zum elektronischen Verleih digitaler Bücher schaffte es tatsächlich, 2012 Menschen zu versammeln, die innerhalb von viereinhalb Stunden, ohne den Lesefluss zu unterbrechen, jeweils einen Satz aus Christopher Paolinis Buch „Eragon – Das Erbe der Macht“ vorlasen – und zwar vom Display eines iPads! Damit sicherte sich das Unternehmen einen Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde und lieferte gleichzeitig einen interessanten Beitrag zur gegenwärtigen Diskussion um Lesegewohnheiten und -qualität im Zeitalter der Digitalisierung ab.

Abgesehen von diesem medienwirksamen Spektakel hatte ich persönlich den Eindruck, dass das Thema elektronisches Publizieren und Onlinecommunities in Leipzig im Vergleich zur letzten Frankfurter Buchmesse verhältnismäßig dezent verhandelt wurde. Zwar stellten sich im sog. „Digitalen Wohnzimmer“ zum zweiten Mal einige interessante Online-Literaturportale vor, das Thema war aber weit weniger präsent als noch im Oktober 2011 in Frankfurt. Einige der größeren Player fehlten ganz, andere hatten relativ sparsame Messeauftritte. Möglicherweise lag das auch an der etwas anders gearteten Schwerpunktsetzung der Leipziger Buchmesse. Während Frankfurt als internationales Branchentreffen natürlich stärker auf interne Trends und Diskurse reagiert, rückt Leipzig den Leser, bzw. die Beziehung zwischen Autor, Verlag und Leser in den Mittelpunkt.

Insofern ist die Buchmesse in der sächsischen Metropole der ideale Ort für Bücherfreunde, um miteinander in Kontakt zu treten. Die vielen Lesungsorte auf der Messe waren gut gefüllt, das Interesse des Publikums groß und die Vielfalt der Autoren unterschiedlichster Art, die man in Leipzig unmittelbar erleben konnte, wie immer beeindruckend.

Selten bieten sich in der literarischen Welt so gute Gelegenheiten, um Neuerscheinungen und die klugen Köpfe, die dahinter stecken kennenzulernen, oder um sich als (angehender) Autor nach Publikationsmöglichkeiten umzusehen. Dazu passend startete in diesem Jahr mit dem Programm „Autoren@Leipzig“ eine spezielle Plattform, die mit einem Fortbildungs- und Netzwerkangebot speziell Autoren auf dem teils unübersichtlichen Publikationsmarkt unterstützen möchte – ein spannender Schritt, vom dem sicherlich in den kommenden Jahren noch zu berichten sein wird.

Was ist nun eigentlich das Besondere an der Leipziger Buchmesse, die bei Publikum und Ausstellern gleichermaßen so hoch im Kurs steht? Nun, nach meinem diesjährigen Eindruck würde ich sagen, dass nirgends sonst im literarischen Leben Leser, Autoren und Buchbrache so unmittelbar zusammenkommen. Zu diesem Gedanken passt vielleicht auch die schöne Tatsache, dass bei der Verleihung des diesjährigen Buchpreises der Leipziger Buchmesse im Bereich Belletristik Publikums-Voting und Jury-Entscheidung übereinstimmten, was durchaus nicht selbstverständlich ist: Beide stimmten für Wolfgang Herrndorfs aktuelles Buch „Sand“, das im Rowohlt Verlag erschienen ist.

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