Unterwegs im Verlagsdschungel

May 31, 2012

Aller Anfang ist schwer

Ein Buch zu schreiben, ist ein großes Abenteuer. Je nach Genre ringt der Autor mit Recherchen, Argumentationen, Figurenzeichnungen oder den eigenen psychischen Abgründen. Doch irgendwann ist es vollbracht, der letzte Satz ist geschrieben, die letzte Durchsicht vollendet: Das Manuskript ist fertig. Für alle, die ihr Werk nicht aus reiner Freude am literarischen Schaffen, zur Aufarbeitung oder Selbstreinigung zu Papier gebracht haben, ist der nächste logische Schritt die Suche nach einem geeigneten Partner, mit dessen Hilfe das Buch veröffentlicht werden kann, kurz: nach einem Verlag. In Deutschland gibt es mehrere Tausend Verlage, und doch gestaltet sich die Unterbringung auch eines sehr gelungenen Manuskriptes in einem Verlagsprogramm oftmals sehr mühsam. Warum ist das so?

Die Verlagslandschaft

Unser Buchmarkt ist heiß umkämpft. Den Löwenanteil der Gewinne, die erwirtschaftet werden können, streichen alljährlich die wenigen Bestseller ein, Qualitäts- und Nischenverlage haben es oft schwer, die Aufmerksamkeit der Kunden und die begehrten Regalplätze im Buchhandel, gerade bei den monopolisierten Ketten, zu ergattern. Die meisten Verlage sind deshalb auf eine strikte Programmplanung angewiesen, die wenig Spielraum lässt. Veröffentlicht wird, was (so hofft man) der Masse gefällt. Denn jede Veröffentlichung bedeutet zunächst eine finanzielle Investition und damit neben der Chance auf Gewinn ein erhebliches wirtschaftliches Risiko, da der Erfolg beim Publikum auch für erfahrene Verleger stets ein unberechenbarer Faktor bleibt. Bei vielen Titeln, die tatsächlich auf den Markt kommen, handelt es sich deshalb um lange bestellte Auftragsarbeiten arrivierter oder auf anderen Gebieten prominenter Autoren. Für innovative, eigenwillige Projekte und unbekannte Autoren bestehen bei den großen Programmverlagen hingegen geringe Chancen.

So findet der Topf seinen Deckel

Finden Sie also Ihre Nische! Das wichtigste Kriterium bei der Auswahl der Verlage, denen Sie Ihr Manuskript anbieten, ist, dass der Verlag zu Ihnen und Ihrem Manuskript passt. Stöbern Sie im Internet, in den entsprechenden Regalen Ihres Lieblingsbuchhändlers (der Ihnen übrigens als Branchenkenner auch noch den einen oder anderen Tipp geben kann), streifen Sie über die Buchmessen in Leipzig und Frankfurt und studieren Sie Novitätenlisten, Vorschauen und Backlists. So werden Sie sicher geeignete Umfelder für Ihr Manuskript finden. Das mag banal klingen, ist jedoch für Ihre Chance, wahrgenommen zu werden, essenziell: Ein Lektor wird ein wahllos eingesandtes, unpassendes Manuskript – völlig ungeachtet seiner Qualität – in der Regel rundweg ablehnen und sich über die Zeitverschwendung ärgern. Wenn Sie unsicher sind, ist es allemal besser, sich vorab noch einmal telefonisch zu erkundigen.

Das Manuskript ins rechte Licht rücken

Ein Manuskript einzureichen, gleicht einem Bewerbungsverfahren: Eine gute Präsentation ist das A und O, der erste Eindruck zählt. Wenn Sie die Verlagsmitarbeiter für Ihr Werk gewinnen wollen, erleichtern Sie ihnen den Zugang zu Ihrem Projekt: Ein freundliches Anschreiben, das Ihr Anliegen präzise beschreibt, kann Ihnen bereits so manche Tür öffnen. Legen Sie ein Exposé bei, aus dem Genre, Zielgruppe, Handlungskonzeption und Umfang sowie Ausstattungsmerkmale wie geplante Abbildungen klar hervorgehen. Eine repräsentative Leseprobe dient als Visitenkarte für Ihren Stil und Ausdruck und kann die Atmosphäre Ihres Textes vermitteln.

Immer mit der Ruhe

Auch wenn Sie all dies beachten, müssen Sie aber damit rechnen, dass einige Wochen ins Land gehen, bis Sie einen Bescheid bekommen. In den meisten Verlagen treffen jährlich Hunderte von Manuskripten ein, die geprüft und bewertet werden wollen. Bleiben Sie also geduldig und lassen Sie sich vor allem nicht entmutigen, sollte es zunächst überwiegend Absagen hageln: Hat Ihr Manuskript das Interesse eines Lektors geweckt, wird er sich mit seiner Rückmeldung Zeit lassen, bis er sich intensiver mit Ihrem Werk auseinandergesetzt und es möglicherweise einem Entscheidungsgremium vorgestellt hat.

Literaturtipp
Weiterführenden Rat für die Verlagssuche bieten Ihnen Bücher wie das von Sandra Uschtrin und Heribert Hinrichs herausgegebene Standardwerk „Handbuch für Autorinnen und Autoren“ oder mein Ratgeber „Wie biete ich ein Manuskript an“.

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