E-Books zum Anfassen

July 6, 2012

Ein Gespenst geht um

Wo immer man sich in der Verlagsbranche bewegt, überall hört man derzeit: E-Books, E-Books, E-Books. Manch einer findet den digitalen Trend und dessen Entwicklungen hochinteressant, der andere hingegen winkt entnervt ab, weil ihn das Dauerthema zusehends frustriert oder weil monetär nur wenig dabei herumzukommen scheint. Denn da die Deutschen, im Gegensatz zu den US-Amerikanern, ziemliche E-Book-Muffel zu sein scheinen, muten die Umsätze, die der Handel in Deutschland durch E-Books einfährt, derzeit noch recht bescheiden an. Und dennoch: Das Gespenst des mächtigen E-Books geht um und viele fürchten sich vor seinem tatsächlichen Erscheinen.

Der Buchhandel schlägt zurück

Wie ich bereits in meinem letzten Eintrag skizziert habe, stellt sich im Zusammenhang mit E-Books auch die Frage, ob der Buchhandel die digitale Revolution übersteht oder ob er geschlagen in den Untiefen der Bedeutungslosigkeit versinkt. In jedem Fall geht der Buchhandel nicht sang- und klanglos unter, sondern versucht, aktiv in das Geschehen einzugreifen und einen Platz im sich formierenden E-Book-Markt zu besetzen. Hierfür gibt es einige Beispiele, etwa den Versuch, die Leser durch die Entwicklung eines gebrandeten Readers an den eigenen (digitalen) Shop zu binden. Besonders interessant finde ich den neuesten Versuch der Alteingesessenen, sich der Umwälzungen in der Buchbranche zu erwehren: E-Book-Cards.

E-Book-Cards

Hierbei handelt es sich um Karten, die die Leser wie Bücher im Buchladen kaufen können und die einen Buch-Code zum Download eines E-Books enthalten. Die Kosten für die Karten sind mit dem Preis für das online erhältliche E-Book identisch. Die Karten brachte das Start-up-Unternehmen EPIDU vor einigen Monaten auf den Markt. Seitdem sind sie in ausgewählten Buchhandlungen erhältlich.

Der große Wurf?

Und was bringen die E-Book-Cards dem Leser? EPIDU und Buchhandel werben damit, dass der Kunde die Vorteile des stationären Buchhandels auch beim E-Book-Kauf nutzen kann: die Beratung der Verkäufer, die Auswahl, das Ambiente. Und dass er bar zahlen kann. Betrachtet man die Zielgruppe, scheinen die Vorteile der Karten jedoch genau für diese nur wenig attraktiv – handelt es sich doch mit hoher Wahrscheinlichkeit um Menschen, die gerne online einkaufen, das Zahlen mit Kreditkarte als unproblematisch empfinden und das blitzschnelle Runterladen einer Datei vom Sofa aus dem zeitintensiven Gang zum Buchladen vorziehen.

E-Books verschenken

Eine Lücke könnten die Karten allerdings schließen. Bisher kann man E-Books in Deutschland nicht verschenken, da diese immer durch den Endnutzer direkt über seinen Reader bestellt werden müssen. Möchte jemand ein E-Book verschenken, so kann er lediglich eine Gutschrift für Online-Anbieter wie Thalia oder Amazon weitergeben, nicht aber einen Gutschein für ein konkretes Buch. Dieses Problem wird durch die Karten auf elegante Art und Weise gelöst. Sie haben zudem den Vorteil, dass etwas Repräsentatives überreicht werden kann.

Back to the roots?

Dennoch ist es wohl nur eine Frage der Zeit, bis es den digitalen E-Book-Anbietern gelingt, auch diese Verkaufslücke zu schließen. Dann könnten die E-Book-Cards genauso schnell in Vergessenheit geraten, wie sie aufgetaucht sind.  Doch auch wenn die letzte Schlacht im E-Book-Handel noch nicht geschlagen ist, scheinen die Karten zum Verschenken eine gute Übergangslösung zu sein. Bis zur nächsten Veränderung. Und so wispert es wohl auch weiterhin überall: E-Books, E-Books, E-Books.

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