Skoobe-Doo! – Sind E-Book-Flatrates derzeit schon attraktiv?

July 26, 2012

Literatur per Flatrate – durch E-Books könnte dies Realität werden. Ähnlich wie beim Auto müsste man sich nur noch zwischen Leihen oder Kaufen entscheiden. Glaubt man den unbestätigten Annahmen der Financial Times, so kann man schon bald gegen eine monatliche Gebühr bei Amazon so viele Bücher als E-Books herunterladen, wie das Herz begehrt. Was würde das für die Verlage bedeuten? Unbegrenzt Leihen kann man schon jetzt – Online-Bibliotheken wie Skoobe machen’s möglich. Doch ist dieses Angebot derzeit wirklich attraktiv?

Flatrate – kulturelle Verkommenheit oder zeitgemäßes Modell?

Der Begriff „Flatrate“ ruft häufig ambivalente Gefühle hervor. Einerseits sind Flatrates praktisch – hat man doch durch sie unbegrenzten Zugang und muss daher nicht mehr jeden singulären Erwerb überdenken. Andererseits verschwindet bei einer Flatrate das Exquisite, das Besondere des einzelnen Kaufs. Viele Menschen denken deshalb auch an Billiganbieter, an Internet, an Handys, und manche sogar an das übermäßige Trinkverhalten unbesonnener Jugendlicher. Und dennoch: Flatrates sind beliebt und scheinen sich in vielen Branchen zumindest als ein mögliches Geschäftsmodell durchzusetzen.

Wie funktioniert Skoobe?

Skoobe ist ein Münchner Start-up und ein Gemeinschaftsprojekt der Verlagsriesen Random House und Holtzbrinck. Bereits der Name s-k-o-o-b-e als Ananym für e-b-o-o-k-s scheint sympathisch. Hier können die ersten 10.000 Nutzer für 9,99 Euro im Monat beliebig viele Bücher ausleihen. Fünf Bücher darf man gleichzeitig in sein virtuelles Regal stellen. Möchte man weitere Titel herunterladen, muss man erst entliehene „zurückgeben“. Wie bei einer Bibliothek. Nur eben online. Ohne enervierende Ausleihfristen, die überschritten werden könnten. Und ohne ein künstlich verknapptes Kontingent der ausleihbaren Titel (im Gegensatz z. B. zum Konkurrenten Onleihe. Das klingt attraktiv.

Derzeit nicht genügend Titel verfügbar

Ab März 2013 können die Skoobe-Mitglieder dann nur noch zwei Bücher pro Monat ausleihen. Außerdem sind momentan nur knapp 10.000 E-Books verfügbar. Diese stammen ausschließlich von Bastei Lübbe und Verlagen der Holtzbrink-Gruppe, da sich andere Verlage noch nicht dafür entschieden haben, bei Skoobe mitzumachen. Zum Vergleich: Der Marktführer Amazon mit seinem Lesegerät Kindle hat über 950.000 Titel als E-Book vorrätig. Natürlich von allen bedeutenden Verlagen. Da erscheint Skoobe schon weniger attraktiv. Darüber hinaus kann die Online-Bibliothek bislang noch nicht mit einem großen Angebot an Bestsellern punkten. Im Gegenteil. Von den ersten 20 Titeln auf der SPIEGEL-Bestsellerliste der Hardcover-Ausgaben sind bei Skoobe gerade mal drei verfügbar. Dies sind zu wenige, um massiv Kunden anzulocken. Dennoch präsentiert sich das Start-up-Unternehmen sympathisch. So fiel Skoobe etwa bei der Leipziger Buchmesse auf, als es mithilfe von 2012 eifrigen Lesern einen neuen Weltrekord im E-Book-Staffel-Lesen aufstellte. In jedem Fall scheint Skoobe Charme und Potenzial zu haben und wird vielleicht in der Zukunft als größerer Player noch interessant.

Und einfach kaufen?

Eine E-Book-Flatrate, bei der die Bücher tatsächlich von Kunden gegen eine monatliche Gebühr in unbegrenzter Zahl gekauft werden können, wie sie Amazon möglicherweise plant, scheint für Deutschland bislang eher unrealistisch. Schließlich stehen solche Ideen im scharfen Gegensatz zur deutschen Buchpreis­bindung, der hierzulande auch E-Books unterliegen. Immer häufiger werden daher Stimmen laut, die die Abschaffung der Buchpreisbindung zumindest für E-Books fordern. Doch auf derartige Ideen reagieren Verlage und Buchhandel mehr als nervös – sehen sie doch zu Recht ihre Existenz gefährdet.

Amazon ist allerdings bekanntlich immer für eine Überraschung gut. Vermutlich im Oktober wird der neue Tablet-PC des Medienriesen erscheinen. Auf diesem könnten dann auch E-Books anderer Anbieter gekauft und gelesen werden. Dieser Verlockung könnte Amazon mit einer Flatrate gezielt entgegenwirken. Spätestens dann wird das Thema wohl wieder aktuell.

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