E-Books als neue Chance für Autoren

August 9, 2012

Durch die Möglichkeiten des E-Books können Autoren inzwischen „alles selber machen“. Theoretisch können sie Autor, Verlag und Hersteller in einer Person verkörpern. Aber ist dies in jedem Fall auch sinnvoll?

Ein Blick in die Historie

Aus publizistischer Sicht lassen sich E-Books in eine Reihe von Veränderungen und Erfindungen einordnen, die jeweils die Distanz zwischen Autor und Leser verringerten. Im Laufe dieser Entwicklung verschwanden ganze Berufsgruppen, die zuvor am Transport der Texte von den Autoren zu den Lesern beteiligt waren. Da heute ein Großteil der Texte bereits am Computer entsteht, entfällt zum Beispiel die Texterfassung durch spezielle Mitarbeiter. Durch die Entwicklung des Desktop-Publishings wurde es außerdem möglich, Texte auf demselben Rechner zu schreiben und zu setzen. Autoren und Redakteure konnten, wenn sie das nötige Know-how hatten, also auch die Arbeit der Setzer übernehmen.

Im Falle des E-Books entfällt nun auf einen Schlag die gesamte Produktion in Druckerei und Buchbinderei. Es wird möglich, als Autor sämtliche Herstellungsschritte zu übernehmen – bis zum Produkt, das die Leser schließlich auf ihre Lesegeräte laden. E-Books sind insofern das „wahre“ Desktop-Publishing – alle Arbeitsschritte können an einem einzigen Schreibtisch stattfinden.

Das neue Selbstverständnis des Autors

Damit gewinnt der Autor an Macht und Einfluss. Er ist auf niemanden mehr angewiesen. Aber ist es tatsächlich so einfach? Wenn es technisch denkbar ist, auf die Hilfe von Experten zu verzichten, muss das ja deshalb per se noch nicht sinnvoll sein.

In vielen Bereichen ist es einfach eine Frage des Anspruchs und des eigenen Könnens, wen man bei einer Veröffentlichung eigener Texte hinzuziehen sollte. Viele Autoren schätzen das Feedback aus dem Lektorat, das ihnen hilft, das, was sie sagen möchten, noch genauer und noch verständlicher auszudrücken. Auch ein professionelles Korrektorat und eine Gestaltung durch Fachleute verlieren durch die digitale Veröffentlichung grundsätzlich nicht an Wert. Manche Autoren können diese Aufgaben trotzdem gut selbst übernehmen.

Herausforderungen auf dem Weg zum eigenen E-Book

Die Produktion eines E-Books hat aber auch ihre ganz eigenen Tücken, mit denen ein Autor gegebenenfalls alleine zu kämpfen hat. So gibt es noch keinen allgemeinen technischen Standard für E-Books. Als offenes Format wäre EPUB zwar ein guter Kandidat. Ausgerechnet Amazon, der bekannteste Anbieter von E-Books in Deutschland, verwendet aber ein anderes Format. Durch die zahlreichen unterschiedlichen Anbieter von Lesegeräten und E-Book-Shops entsteht für den Autor also ein spezifisches Problem: Er muss herausfinden, welche Plattformen für seine Publikation besonders geeignet sind, er muss entscheiden, welche Shops und Lesegeräte er bedienen möchte – und er muss sein E-Book gegebenenfalls in mehreren Varianten mit dem entsprechenden Know-how erstellen. Auch diesen Aufwand kann er natürlich an andere abgeben – etwa, wenn es ihm wichtiger ist, Zeit zum Schreiben zu haben als völlig unabhängig von anderen zu sein. Entsprechende Dienstleister stehen inzwischen bereit.

Das E-Book führt also nicht automatisch zum Autor als Einzelkämpfer. Aber es wird die Karten im Verhältnis zwischen Autoren und Verlagen neu mischen – und vielleicht zur Herausbildung ganz neuer Institutionen führen. Der Autor kann mit den entsprechenden Wissens- und Zeitressourcen in Zukunft vieles selbst in der Hand behalten, häufig wird aber auch weiterhin das Expertenwissen spezialisierter Dienstleister hilfreich sein.

Previous:

Next:

Leave a Comment