Digitales Klassenzimmer 1.0

September 4, 2012

Bald könnte Schluss sein mit Tafeldienst und dem berühmten „Hefte raus, wir schreiben ein Diktat“, denn Trendforscher sagen unseren Schulen eine digitale Zukunft voraus.

Es steht eine Zeitenwende bevor … und damit ist ausnahmsweise einmal nicht das von hoch gebildeten Maya prophezeite Ende der Welt am 21. Dezember gemeint (auch wenn hysterische Zeitgenossen beim Thema dieses Beitrages durchaus schon mal die Rede vom drohenden Untergang unserer Zivilisation bemühen), sondern die digitale Revolution in den Klassenzimmern Deutschlands. Unsere Kinder wachsen wie selbstverständlich in die heutige digitalisierte Welt hinein. Während wir hier und da noch einige Minuten brauchen, um die neu App auf unserem iPad zu finden, navigieren selbst Grundschulkinder in Sekundenschnelle und mit beeindruckender Treffsicherheit durchs Menü. E-Books werden immer beliebter, in den letzten Jahren hat sich Verkauf von E-Books vervierfacht (von 1,5 Millionen in 2009/10 auf ca. 6,7 Millionen in 2011/12, Quelle: statistika.com).

Die buchaffinen Deutschen nun tun sich aber gedanklich schwer damit, das Buch aus Wohn- und erst recht aus Klassenzimmern zu verbannen. Aber in der Realität? … Es muss etwas geschehen, müssen neue Wege beschritten werden, wenn wir irgendwann einmal in der PISA-Studie oben mitranken wollen.

Stellen wir uns folgenden Fall vor: In der selbsternannten Bildungsrepublik Deutschland bricht die digitale Revolution los! An allen Schulen wird als erstes die von den amerikanischen Lehrern Aaron Sams und Jonathan Bergmann vor einigen Jahren entwickelte „Flipped-Classroom-Methode“ eingeführt. Die Schüler bereiten eigenständig anhand von Online-Lernvideos zu Hause die Themenbereiche des Unterrichts vor. Im Unterricht dann wird aufgearbeitet und diskutiert. Dröges Büffeln ade, der oft monologisierende Lehrer wird zum Moderator und Lernpartner. Aus „normalen“ Klassen werden fortan Medienklassen, in denen jeder Schüler mit einem Netbook ausgestattet ist. Interaktive Elemente peppen den nun vielseitig vermittelbaren Lernstoff auf, steigern die Medienkompetenz und die Fähigkeit zum eigenständigen Arbeiten. Die Blackbox Schule wird für Eltern auf einmal transparent, nämlich durch Lernmanagementsysteme (LMS). Die bis dato an Hochschulen und in Unternehmen angewandten LMS verbinden nun Lehrer, Schüler und Eltern miteinander: Zusatzinformationen zum Stoff können verschickt, Hausaufgaben und Stundenplan eingesehen und Eltern über den Lernstand des Kindes informiert werden. Alles online.

Einen Einblick in Funkltionsweise und in die Vorteile der “Flipped-Classroom- Methode” gibt Aaron Sams selbst – natürlich digital und weltweit einsehbar auf Youtube:

Zukunftsmusik? Zunächst zumindest noch in Deutschland … Handeln müssen ohne Frage die Kultusministerien, Schuldirektoren, Lehrer und Eltern – aber auch jetzt schon die Verlage. Der Digitalisierung muss Rechnung getragen werden, damit man zukunftsfähig bleibt, gleichzeitig muss sinkenden Umsätzen entgegengewirkt werden.

Das E-Book als Unterrichtsmaterial von morgen? Dies ist sowohl unter dem gesundheitlichen – keine kiloschweren Schulranzen mehr auf den Rücken der Kinder –, als auch unter wirtschaftlichen Aspekten – Reduzierung der Kosten für die Anschaffung der Lehrmittel sowie Einsparung von Produktions- und Lagerkosten – eine sehr gute Option. So können alle Seiten – Schüler, Eltern und Verlage – profitieren.

Die Bildungsverlage stehen vor der Herausforderung, die digitalen Versionen ihrer Bücher und Lehrmittel so zu gestalten und aufzuwerten, dass sie für den Kunden attraktiv sind und dieser bereit ist, den Mehrwert zu bezahlen. Denn momentan liegen die Preise für E-Books noch deutlich unter denen der Printversionen, was wiederum die Verlage fataler Weise oft noch zögerlich an das Projekt Digitalisierung gehen lässt. Zudem sind sowohl die klassischen Bücher als auch ihre digitalen Umsetzungen in ihrem Informationsumfang und ihrer Aktualität begrenzt. Hier müssen Lösungen gefunden werden, denn im digitalen Klassenzimmer steckt Potential, daran zweifelt – abgesehen vielleicht von Manfred Spitzer – derzeit wohl kaum noch jemand!

Ein erster Schritt ist hierbei das von 27 Bildungsmedienverlagen installierte Online-Portal „Digitale Schulbücher“, das im Februar 2012 vorgestellt wurde und nun sukzessive ausgebaut und verbessert werden soll.

Willkommen im digitalen Zeitalter mit Büchern und E-Books!

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