„Wir wollen Dein Buch – nicht dein Geld!“

October 5, 2012

Mit diesem gleichermaßen provokanten, wie gelungenen Slogan wirbt derzeit BookRix. Der Internetanbieter gibt Autoren seit Anfang dieser Woche die Möglichkeit, ihre unkorrigierten Texte kostenfrei als E-Books herauszugeben. So eröffnet sich für zukünftige Autoren eine ganz neue Möglichkeit, ihre Texte zu veröffentlichen – kostenfrei, als Selfpublisher, ganz ohne Verlag. Doch ist das wirklich für alle die richtige Lösung?

Wie funktioniert Self-Publishing?

Zunächst klingt es simpel: Man bringt sein Buch in ein gewisses Dateiformat und lädt es dann als E-Book hoch. Das wars schon. Verlangen Autor oder Markt nach dem Buch, wird das Buch gedruckt, und zwar genau so viele Exemplare, wie gerade nachgefragt werden. Das ist vergleichsweise kostengünstig und sehr effektiv. Allerdings macht der Selfpublisher so gut wie alles selbst. Ein geringer finanzieller Aufwand, eine akzeptable Marge und persönliche Unabhängigkeit stehen also hohem zeitlichem Aufwand und notwendigem Eigenengagement auf allen (medialen) Ebenen gegenüber.

Ein gewisses Maß an Selbstvertrauen und der Mut zur Eigenverantwortung sind also ohne Frage notwendig, wenn man sich ohne einen renommierten Verlag ins Wirrwarr des Veröffentlichens stürzen will. Denn nicht mehr nur für den Inhalt seines Werkes muss der Autor geradestehen, sondern auch für Orthografie, Grammatik, Gestaltung, E-Book-Plattform und Marketing. Die helfende, ordnende, korrigierende, präzisierende, manchmal auch zensierende, und oft rettende Hand des Verlages fehlt. Darüber hinaus obliegt es dem Autor, eine Datei seines Buches zu erstellen, die mit den Systemen der Anbieter kompatibel ist. Dafür kann er entscheiden, wann und wo er veröffentlicht, wo er welche Werbung macht und wie viel.

Social Media Marketing fürs eigene Buch

Um die Werbung aber muss sich der Autor nun ebenfalls allein kümmern, auch wenn vielfältige kostenpflichtige Angebote unterstützen können. Auch hier ist BookRix innovativ, da die Autoren ihre E-Books nicht nur verkaufen, sondern auch in der eigenen Social-Media-Gemeinschaft vermarkten können. Glücklich schätzen kann sich auf jeden Fall, wer selbst in sozialen Netzwerken aktiv ist. Ein Tweed hier, ein Posting dort, aber immer wieder und wieder, damit im Gedächtnis bleibt, was sonst in klassischer Anzeigenform auf die Öffentlichkeit einprasselt. Relativ neu und bei vielen Anbietern verbreitet ist die Möglichkeit, einen Buchtrailer erstellen zu lassen und diesen z. B. bei YouTube einzustellen.

Reich und berühmt

Wird man als Selfpublisher reich und berühmt? Eher nicht. Natürlich gibt es helle Sterne am Autorenhimmel wie Amanda Hocking, die schon 2010 ihr erstes Buch als E-Book über Amazon veröffentlichte und heute mehr als 1,5 Millionen Bücher verkauft hat. Allerdings bildet sie damit eher die Ausnahme.

Für wen ist Selfpublishing das Richtige?

Selfpublishing ist in jedem Fall ein guter Einstieg und bietet die Möglichkeit, sein Buch zu verlegen, auch wenn man keinen Verlag von sich überzeugen konnte und nicht das nötige Geld für einen Privatverlag hat. Und in jedem Fall ist das innovative Angebot von BookRix interessant und ein weitere Neuerung, die die Verlags- und Buchwelt verändern wird. Allerdings sollte man beim Selfpublishing die nötigen Kompetenzen und Kenntnisse zur Erstellung seines Buches mitbringen oder Menschen beauftragen, die z. B. das Korrektorat übernehmen. Sonst wird das Vorhaben schnell peinlich und die Veröffentlichung eher unangenehm.

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