Die Frankfurter Buchmesse II – Ein kleiner Nachtrag zu unserem ersten enhanced E-Book

October 25, 2012

In diesem Jahr präsentierten wir auf der Frankfurter Buchmesse stolz unser erstes eigenes enhanced E-Book auf dem iPad. Doch wie kam unsere Innovation an? Konnten die Besucher der Messe mit so viel Modernität und Interaktivität überhaupt umgehen? Ein reflektierender Erfahrungsbericht.

E-Books – zumindest komplementär nicht mehr zu stoppen

Der Umgang mit E-Books wird ja seit einigen Jahren konstant auf der Buchmesse diskutiert. Auch ich habe mich dem Thema hier schon häufiger zugewandt. In Frankfurt waren dazu auch in diesem Jahr wieder zahlreiche (und durchaus kritische) Stimmen zu vernehmen. So sagte etwa Jussi Adler Olsen bei der Vorstellung seines neuesten Thrillers „Erbarmen“, er bedauere es sehr, auf diese Weise von der Internet-Community gemobbt worden zu sein, sein Experiment zur Unterstützung des Buchhandels sei offensichtlich gescheitert. Hintergrund dieser Äußerung war, dass Olsen das E-Book zu seinem Bestseller erst ein halbes Jahr nach dem Erscheinen seines Romans herausbringen wollte. Daraufhin hagelte es Protestbriefe an Autor und Verlag. Dem Sturm der Entrüstung der vielen E-Book-affinen Leser hat Olsen dann schnell nachgegeben wie buchreport berichtete.

E-Book – enhanced und als App

Während einfache E-Books nun (fast) schon zum Alltagsgeschäft der Verlage zählen, verstärkt sich ein neuer Trend: die Erstellung von enhanced E-Books und Apps (also von multimedial angereicherten elektronischen Texten). Auch wir präsentierten auf der Buchmesse stolz unser erstes enhanced E-Book. (Programmiert wurde das Projekt als App, also als Anwendung, die eigenständig und ohne einen speziellen E-Reader auf einem Tablet o. ä. lesbar ist.) Mit banger Vorfreude erwarteten wir die Reaktionen der vielen Besucher, die an unserem Verlagsstand vorbeiströmten. Allerdings mussten wir erst einmal feststellen, dass die mediale Präsenz eines kleinen iPads gegen die riesigen Flatscreens von 3Sat und Co auf der gegenüberliegenden Seite des Flures nicht viel ausrichten kann. Unsere App war davon bedroht, schlichtweg übersehen zu werden.

Etwas verschüchtert wagten sich dann aber doch einige Besucher an das Tablet. Diese waren von den vielen Möglichkeiten und medialen Erweiterungen durchgehend angenehm überrascht. Allerdings herrschte insgesamt noch recht viel Verwirrung, sowohl was die Begrifflichkeiten, als auch was die Bedienung von Tablets und enhanced E-Books anging. Und so waren die Gespräche über unsere Buch-App doch häufig allgemeiner Art, da zumeist die vielen neuen technischen Möglichkeiten begrüßt und besprochen wurden. Manchmal konnte man dann ein schlichtes „Das’s ja doll!“ vernehmen. Manche Messebesucher fragten allerdings auch, inwiefern es sich hierbei eigentlich noch um ein Buch handeln würde?

Digital Natives

Deutlich war zudem der Generationenunterschied bei der Annäherung an das enhanced E-Book spürbar. Während ein Achtjähriger ungeniert mehrmals die Anwendung verließ, um Angry Birds und Paper Toss zu spielen, näherten sich ältere Menschen der App mit großem Respekt und manchmal sogar mit übertriebener Vorsicht.

Nach der Messe ist vor der Messe

Neben der Frage der Präsentation eines im Trubel der Buchmesse winzig erscheinenden iPads werden wir für die kommenden Messeauftritte deshalb wohl verstärkt überlegen, wie wir auch ältere Besucher an die moderne Technik und unsere App heranführen können. Schließlich wird dies nicht die letzte Vorführung eines enhanced E-Books gewesen sein. Dafür birgt die Technik zu viel Potential, um aus der elektronischen Form eines Buches eben mehr zu machen, als nur eine digital präsentierte Kopie des Textes. Und die nächste Messe kommt bestimmt.

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