Crowdfunding – In der Masse liegt die Kraft

November 19, 2012

„Wie schaffe ich es, mein Buch auf den Markt zu bringen?“ ist die alles entscheidende Frage, die sich Autoren immer wieder stellen. Crowdfunding heißt das neue Zauberwort, das für (werdende) Autoren zukünftig überaus interessant sein könnte.

Was ist Crowdfunding?

Vorreiter für das Crowdfunding – frei übersetzt „Schwarmfinanzierung“ – war die Musikbranche in  den USA, die sich am Anfang des neuen Jahrtausends wegen sinkender Einnahmen in einer tiefen Krise befand. Im Jahr 2000 gründete Brian Camelio, ein professioneller Musiker und Produzent, als Reaktion darauf die Internetplattform ArtistShare.com. Über diese Plattform wandten sich die Musiker dann an ihre Fans und baten um finanzielle Unterstützung für ihre jeweiligen Projekte, um das Geld für die Produktion eines Albums vor seiner eigentlichen Veröffentlichung zu bekommen. Mit Hilfe zahlreicher sogenannter „Believer“ gelang es so, jeweils genügend Geld zusammenzubekommen, dass die Musiker ins Tonstudio gehen und ihre Ideen umsetzen konnten. Eine neue Finanzierungsform war geboren. Auf diese Art und Weise wurden in den letzten Jahren mehr als 50 Bandprojekte umgesetzt. Die Idee ist also so simpel wie effektiv.

Crowdfunding heute

Am Anfang war die Musik, danach griff der Crowdfunding-Hype auf alle anderen kreativen Bereiche, wie Film, Mode, Fotografie oder Design, über. In Deutschland starteten ab 2010 mehrere Crowdfunding-Plattformen, z. B. Startnext, Pling oder Inkubato. Was einst als Finanzierungsalternative für Kreative angefangen hatte, steht nun sogar jungen Firmen und Unternehmen offen, die Ihre Innovationen über Portale wie Seedmatch, Mashup-Finance oder Innovestment präsentieren und finanzieren lassen können.

Google-Suchanfragen nach dem Begriff "Crowdfunding"

Jemand – das können eine Einzelperson, mehrere oder ein ganzes Unternehmen sein – hat ein Projekt oder ein Produkt, das am Markt etabliert werden soll, kann oder möchte es aber nicht selbst finanzieren. Nach der Annahme der Bewerbung wird das Projekt auf einem der Crowdfunding-Portale ausgeschrieben. Nun muss die Crowd, die Masse, aktiviert werden, was in der Regel über mehr oder weniger ausgeklügelte oder umfangreiche Marketingmaßnahmen passiert, Mund-zu-Mund-Propaganda eingeschlossen.

Eine solche Aktion ist durch eine Mindestkapitalmenge gekennzeichnet, die durch die Crowd finanziert werden muss. Im Vergleich zu dieser Mindestkapitalsumme ist der Anteil des einzelnen Crowdfunders aber eher gering. Der entscheidende Vorteil für das ausschreibende Unternehmen oder die handelnde Person: Sie erhalten die finanziellen Mittel, ohne Sicherheiten stellen zu müssen, ganz im Gegensatz zu einem Bankkredit. Der Crowdfunder, Believer, Anteilseigner erhält im Gegenzug eine geldwerte Leistung.

Was haben die Vertragspartner beim Crowdfunding von diesem Finanzierungsmodell?

Gehen wir noch einmal vom Beispiel der Musikindustrie aus: Durch die Unterstützung des Geldgebers kommt das Projekt (z. B. ein neues Musik-Album) überhaupt erst zustande. Er kann sich also als eine moderne Form des Mäzens fühlen. Durch die finanzielle Hilfe geht er zwar auch in Vorleistung (im Prinzip eine Vorbestellung vor Produktionsbeginn), erwirbt dafür aber das Vorzugsrecht, zu den Ersten zu gehören, die das neue Album in Händen halten, evtl. angereichert mit einer Widmung des Künstlers.

Auf der anderen Seite gewinnt der Produzent eines Produktes schon vor Beginn einen guten Überblick über die zu erwartenden Marktchancen. Sind genug Unterstützer dazu bereit, sich an dem Projekt zu beteiligen, ist davon auszugehen, dass sich später auch genug Käufer dafür finden lassen. Crowdfunding liefert also gewissermaßen die Marktanalyse gleich mit dazu. Plus: Mit der Vielzahl an Menschen, die nun teilhaben an der Verwirklichung des Projektes, steigt auch der Wirkungskreis bei Markteintritt. Jeder Crowdfunder ist ein potentieller Multiplikator, der die Kunde von dem neuen Produkt auf dem Markt begeistert weitergibt.

Crowdfunding für Autoren

Eine kreative Leistung steckt ohne Frage nicht nur in einer neuen Platte, einer extravaganten Modekollektion oder einem innovativen Film, sondern erst recht in einem Buch. Was also spricht dagegen, sein Buchprojekt durch Crowdfunding zu finanzieren?

Hier ein Beispiel aus meinem eigenen Verlag: Autor Heinz Klette schrieb seine Autobiografie, starb aber, ehe er sie veröffentlichen konnte. Ein guter Freund wollte das so nicht auf sich beruhen lassen, kontaktierte den Frieling-Verlag und bat um ein Veröffentlichungsangebot. Gleichzeitig mobilisierte er die anderen Freunde und bat sie um eine Spende, um dieses Buchprojekt so doch noch realisieren zu können. Binnen vier Wochen spendeten ausnahmslos alle, sodass die notwendige Summe ohne Probleme zusammenkam. Nun ist Heinz Klettes Werk im Druck … Dem Autor hätte die Veröffentlichung sicher große Freude bereitet.

Der Leser als Crowfunder

Man kann also sagen, dass diejenigen, die in eine Crowdfunding-Unternehmung investieren, sich mit dem „Produkt“ identifizieren oder einen ganz persönlichen Bezug dazu haben. Aber nicht nur das: Unabhängig von der Art der Gegenleistung ist der Crowdfunder ebenso ein Mitbestimmer. Denn mit ihm kann auch auf den Markt kommen, was sonst keine oder nur geringe Chancen gehabt hätte.

Einfluss zu nehmen und teilzuhaben an kreativen Ideen und Innovationen aller Art dürfte für viele Menschen ein starker Anreiz zum Handeln sein. Und einem Verlag kann es letztendlich nur recht sein, wenn eine interessierte Leserschaft aktiv dazu beiträgt, dass ein Buchprojekt verwirklicht werden kann. Und vielleicht oder gerade deshalb ist Crowdfunding  für Bücher ein Markt der Zukunft.

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